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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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Freundin von Euch zu ſein oder geweſen zu ſein ſcheint, fuhr ich fort, als ich ſah, daß meine Geſellſchafterin keine Luſt hatte, etwas zu ſagen.

Pris Bayard! dieſe Worte entfuhren jetzt Urſula in ihrer Ueberraſchung;und ſie eine Bekanntſchaft von etwas eigenthüm⸗ licher Art!

Meine Ausdrucksweiſe iſt unvorſichtig geweſen, um nicht zu ſagen, die eines Gecken. Gewiß, ich bin nicht befugt, mehr zu ſagen, als daß unſere Familien ſehr vertraut ſind, und daß dieſes vertraute Verhältniß ſeine ganz eigenthümlichen Gründe hat. Ich bitte Euch, ſo zu leſen, wie ich jetzt den Fehler verbeſſert habe.

Ich ſehe nicht ein, daß dieſe Verbeſſerung viel an der Sache ändert; und Ihr werdet mir erlauben, zu ſagen, daß es mich be⸗ trübt, ſehr betrübt, dieß zu erfahren.

Das war ſonderbar! Daß Dus wirklich ſo dachte und fühlte, wie ſie ſprach, das bezeugte zur Genüge ihr Angeſicht, aus welchem beinahe alle Farbe verſchwunden war, und das eine ganz außer⸗ ordentliche Gemüthsbewegung verrieth. Soll ich geſtehen, welch' ein erbärmlich eingebildeter Geck ich einen Augenblick war? Die Wahrheit muß heraus, und ich will es geſtehen. Der Gedanke, der mir durch den Kopf fuhr, war dieſer: Urſula Malbone iſt gekränkt, daß der einzige Mann, den ſie ſeit einem Jahre geſehen, der mög⸗ licherweiſe auf ein weibliches Weſen von ihrer Bildung und ihrem Geſchmack einen Eindruck hätte machen können, mit einer Andern verlobt iſt! Unter gewöhnlichen Umſtänden hätte dieſe voreilige Be⸗ vorzugung meiner Perſon in mir ein Gefühl von Entrüſtung erregt über die Kundgebung derſelben; aber die Bewegungen und Em⸗

pfindungen, die Handlungen und die Sprache von Dus Alles hatte viel zu viel reine Natur an ſich, als daß in mir eine andere Empfindung aufgekommen wäre, als die des lebhaften Intereſſes. Ich habe immer die gewaltige Macht, ja den Bann, welchen dieß Mädchen ſo bald über mein Herz gewann, dem Aufruhr von Ge⸗