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vinnen; ſo daß Einer all' ſein Gewiſſen zuſammennehmen muß, um
zwiſchen ihnen ehrlich und billig eine Linie zu ziehen.“
Da ich wußte, daß das Vorurtheil des Kettenträgers über die⸗ ſen Punkt eine ſeiner ſchwachen Seiten war, gab ich dem Geſpräch eine neue Wendung, indem ich es auf politiſche Begebenheiten lenkte, von welchen er, wie mir bekannt war, gerne ſprach. Wir wander⸗ ten weiter, über verſchiedene dahin einſchlagende Gegenſtände uns beſprechend, beinahe eine Stunde lang, als ich mich ganz plötzlich meinem eigenen Hauſe nahe ſah. In der Nähe geſehen hatte das Gebäude doch mehr Form und Feſtigkeit, als es, von der Höhe aus geſehen, zu haben geſchienen; und ich fand die Obſtgärten und Wie⸗ ſen um daſſelbe herum frei von Baumſtumpen und Anderem, was dem Auge wehe thut, und in gutem, geordnetem Zuſtand. Doch hatte das Gebäude von Außen einigermaßen das Anſehen eines Ge⸗ fängniſſes, weil keine Fenſter und Oeffnungen da waren, als die Thüre. Als wir letztere erreichten, welche mehr ein Thor als ein gewöhnlicher Hauseingang war, blieben wir einen Augenblick ſtehen, um uns umzuſehen. Wie wir daſtanden, auf die Felder hinaus⸗ ſchauend, glitt eine Geſtalt durch die Oeffnung und Sureflint be⸗ fand ſich an meiner Seite. Kaum war er neben mir, als die Töne derſelben ſchönen, metallreichen weiblichen Stimme, indianiſche Worte zu einer europäiſchen Melodie ſingend, ſich vernehmen ließ, die ich aus dem Fichtendickicht hervor, in dem Nachwuchs des Wal⸗ des, gehört hatte. Von dem Augenblick an vergaß ich meine Felder und Obſtgärten, vergaß den Kettenträger und Sureflint, und konnte an nichts mehr denken, als an den außerordentlichen Umſtand, daß ein eingeborenes Mädchen eine ſolche Kenntniß unſerer Muſik beſitze. Der Indianer ſelbſt ſchien bezaubert, und rührte ſich nicht, bis der Geſang oder die Verſe zu Ende waren. Der alte Andries lächelte, wartete, bis die letzte Strophe geſungen war, ſprach mit Nachdruck dn Namen„Dus“ aus, und winkte mir, ihm in das Gebäude zu olgen.


