Druckschrift 
Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
Einzelbild herunterladen

90

würde ohnehin unſerem Geſpräch ein Ende gemacht haben, und es wurde nichts mehr von dem Kettenträger und ſeiner wunder⸗ ſamen Nichte, Dus Malbone, geſprochen. Sobald der Imbiß vorüber war, wurden unſere Pferde vorgeführt, und Kate und ich verabſchiedeten uns. Jaap war, wie gewöhnlich, ein paar Stunden vorher mit unſerem Gepäck abgegangen. Der Leſer darf nicht glauben, daß wir zu jener Zeit alle Ausflüge zu Pferde machten; im Gegentheil, meine Mutter hatte eine ſehr hübſche Chaiſe, in welcher ſie im Lande herumzufahren pflegte, mit einem auf dem Pferde ſitzenden Poſtillion; mein Vater hatte einen Phaeton, und in der Stadt hatten wir ſogar einen Wagen; denn die Vereinigung des Vermögens der Familien Mordaunt und Littlepage hatte uns in eine ſehr behagliche Lage verſetzt, und behaglich lebten wir auch. Aber junge Ladies liebten das Reiten vor fünfundzwanzig Jahren mehr als heut⸗ zutage; und da Kate eine vortreffliche Reiterin war, wie zu ihrer Zeit ihre Mutter, machten wir oft zuſammen Ausflüge zu Pferde. Mithin war es freie Wahl, nicht Nothwendigkeit, doch trugen vielleicht auch die ſchlechten Wege Etwas bei, die uns veranlaßten, nach Satanstoe hinüberzureiten, ſo oft wir unſere Großmutter beſuchen wollten.

Ich küßte meine liebe, alte Großmutter recht zärtlich beim Abſchied, denn ich ſollte ſie dieſen Sommer nicht mehr ſehen, und ſie gab mir dafür ihren Segen. Bei Tom Bayard war ein warmes, brüderliches Händeſchütteln hinreichend, da ich mit ziemlicher Gewißheit darauf rechnen durfte, ihn in Lilaksbuſh zu ſehen, ehe ich von dort abreiste. Wie ich mich ſeiner Schweſter näherte, welche mir freundſchaftlich die Hand darbot, ſagte ich, in⸗ dem ich dieſelbe faßte:

Ich hoffe, dieß iſt nicht das letzte Mal, daß ich Euch ſehe, ehe ich nach den neuen Ländereien aufbreche, Miß Bayard. Ihr ſchuldet meiner Schweſter einen Beſuch, glaube ich, und dieſer

2