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ſind Indianer um den Weg, und es liegt eine gewaltige Wildniß zwiſchen uns und dem Ziel der Reiſe; aber Frauen haben ſie doch ſchon gemacht, wie man mir geſagt hat, und zwar ohne die min⸗ deſte Gefährdung. Man hört ſolche Wunderdinge von den Fällen, daß es eine ſtarke Verſuchung wäre, ſelbſt Etwas zu wagen, um ſie nur zu ſehen.“
Ich blicke mit Verwunderung zurück über den kurzen Zeitraum der dazwiſchen liegt, wenn ich mich erinnere, wie wir in meiner Jugend die Fälle des Niagara anzuſehen gewohnt waren. Eine Reiſe nach Europa ſchien nur um ein Geringes gefahrvoller und ernſter; und Reiſen nach Europa waren damals nicht, was ſie jetzt ſind*).
„Nichts würde mich glücklicher machen,“ rief ich galant, zum Entzücken meiner armen Großmutter, das ſie ſchlecht genug zu verhehlen ſuchte,„als der Beſchützer von Miß Bayard auf dieſem Ausfluge zu ſein.“
„Alſo gedenkt Ihr wirklich dieſe Reiſe zu unternehmen, Ma⸗ jor Littlepage?“
*) Der Leſer wird natürlich nie vergeſſen, daß dieſe Handſchrift vor beinahe wo nicht vollen vierzig Jahren geſchrieben wurde. Auch damals noch war eine Reiſe an den Niagara ein ernſtes Unternehmen. Jetzt(1845) kann man ſie mit Dampf machen, und die ganze Strecke von der Stadt New⸗York an, zwiſchen 450 und 500 engliſchen Meilen, in weniger als ſechsunddreißig Stunden zurücklegen. Das iſt eines der Wunder eines Rieſen in ſeinen Kinderjahren, und ſollte ausländiſche Po⸗ litiker vorſichtig machen, wenn ſie davon ſchwatzen, die Gränzen dieſer Republik an der Stelle ihrer Bürger zu reguliren! Wenn die Ver⸗ wecen en⸗ irgend ein Pfand ſein kann für die Zukunft in der amerikaniſchen Geſchichte, ſo werden noch von den jetzt Lebenden Viele die Herrſchaft des Dampfes über den Kontinent ausgedehnt ſehen, vom atlantiſchen bis zum ſtillen Meere, und an den beiden Enden die Sternenflagge wehen! Mehr als tauſend von den viertauſend Meilen, welche die Ausführung dieſes Projekts befaſſen müßte, ſind ſchon bewältigt, und was 8 thun übrig iſt, wenn man die Zwecke mit den Mitteln vergleicht, eine nicht halb ſo große Anſtrengung, als das ſchon Geleiſtete. Es dürfte hier der paſſende Ort ſein, hinzuzufügen, daß Nichts ſo ſehr die gegenwärtige Adminiſtration bei ihren Projekten, die auf Vereini⸗ gung und Aufnahme in die Union gerichtet ſind, gekräftigt und befeſtigt hat, als die gedrohte Einmiſchung europäiſcher Regierungen in die Angelegenheiten dieſes Kon⸗ tinents. In einem kritiſchen Augenblick, wo es am unwillkommenſten wäre, dürfte Amerika ſie einmal mit gleicher Münze bezahlen.
Der Herausgeber.
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