576 Willoughby blieb mit dem Kaplan eine volle halbe Stunde aus;
Maud weinte unterdeſſen an den Gräbern ihrer Lieben, und die
Uebrigen blieben in ehrfurchtsvollem Schweigen in der Nähe.
Nick ſtand wie eine Bildſäule— ein Stein hätte nicht regungs⸗ loſer ſein können. Gleichwohl ſprach Reue aus ſeinen Zügen, das Auge war zu Boden geſchlagen— ſogar die Bruſt wogte in ungewöhn⸗ licher Erſchütterung: er wußte, daß der Kaplan dem Sohne des Kapitäns erzählte, auf welche Art er ſeinen Vater erſchlagen hatte.
Endlich kehrten die beiden Herren langſam zu den Gräbern zurück: der General tief bewegt, mit gerunzelter Stirn und gerötheten Wangen; Mr. Woods ſanften Ausdrucks und voller Hoffnung. Willoughby hatte ſich durch ſeine Bitten und Entſchul⸗ digungsgründe zu einer Verzeihung bewegen laſſen, welche er nur mit Widerſtreben und vielleicht eben ſo ſehr aus Mangel an einem würdigen Erſatzmittel, als aus chriſtlicher Pflicht gewährte.
»Nikolas,“ begann der Kaplan,„ich habe dem General Alles erzählt.“
„Er wiſſen ihn?«rief der Indianer mitleidenſchaftlichem Nachdruck.
„Ja, Wyandotts, ich weiß es, und habe es mit tiefem Kummer erfahren. Du haſt mir das Herz wieder bitter gemacht.“
Nick war furchtbar bewegt. Die Anſichten ſeiner Jugend lagen in ſchrecklichem Kampfe mit denen, welche er erſt im Herbſte ſeines Lebens in ſich aufgenommen hatte: das Reſultat war eine wilde Miſchung ſeines indianiſchen Gerechtigkeitsſinnes und der Unterwürfigkeit unter die Lehren ſeines neuen und nur unvoll⸗ kommen aufgefaßten Glaubens.
Einen Augenblick lang gewann erſterer die Oberhand. Er näherte ſich dem General mit ſicherem Schritt, legte ſeinen eigenen ſcharfen und glänzenden Tomahawk in deſſen Hände, kreuzte die Arme über die Bruſt, neigte ſein Haupt und ſprach in feſtem Tone: „Schlagen zu— Nick tödten Kap'in— Major tödten Nick.“ „Nein, Tuscarora, nein!“ gab Sir Robert Willoughby zur


