Roman und ſelbſt bei einem Anzug, ſondern ſie ſieht auf die Schick⸗ lichkeit. Ja, Serub hat mich ruinirt!“
Ich glaubte dieß nun nicht eigentlich; aber da ich Bulſtrode ſo geneigt ſah, ſeiner Abweiſung dieſe Wendung zu geben, ſo lag es mir nicht ob, ihm zu widerſprechen. Wir plauderten noch eine halbe Stunde aufs freundſchaftlichſte mit einander, worauf wir uns trenn⸗ ten; und Bulſtrode verſprach, das Geheimniß meiner Anweſenheit nicht zu verrathen.
Ich verweilte im Angeſicht des Hauſes bis zum Abend, wo ich mich näher wagte, in der Hoffnung, mit einem Blick Anneke'ns anſichtig zu werden, wenn ſie an einem Fenſter vorbei gehe, oder bei dem milden Licht des Mondes auf der Piazza erſcheine, welche die ſüdliche Fronte des Hauſes umſchloß. Lilaksbuſh verdiente ſei⸗ nen Namen, denn es war eine förmliche Wildniß von Buſch⸗ und Strauchwerk; und unter dem begünſtigenden Schutz von dieſem war ich dem Hauſe ganz nahe gekommen, als ich leichte Schritte auf dem Kies eines nahen Ganges vernahm. Im nächſten Augenblick tönten mir weiche, ſanfte, leiſe Stimmen ins Ohr und ich ward gewiſſermaßen gezwungener Ohrenzeuge von Folgendem:
„Nein, Anne, mein Schickſal iſt für dieſe Welt beſiegelt,“ ſagte Mary Wallace,„und ich werde als Guert's Wittwe ſo treu und ergeben leben, als wenn das Gelübde wirklich ausgeſprochen worden wäre. Das bin ich ſeinem Andenken ſchuldig wegen der herzloſen Zweifel, von welchen ich mich einnehmen ließ, und welche ihn in jene ſchrecklichen Scenen trieben, wo er den Tod fand. Wenn ein Weib wirklich liebt, Anneke, ſo iſt es, fürchte ich, vergeblich gegen irgend etwas Anderes anzukämpfen als gegen entſchiedene Unwürdig⸗ keit. Der arme Guert war in keiner Hinſicht unwürdig; er war ungeſtüm und Verirrungen ausgeſetzt, aber nicht unwürdig. Nein — nein— nicht unwürdig! Ich hätte ihm meine Hand geben ſol⸗ len, ſo wäre er uns wohl erhalten worden. So aber kann ich nur als ſeine Wittwe leben, in verborgener, ſtiller Liebe ſeines Anden⸗ Satanstoe. 39


