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Miles Wallingfords Abenteuer zu Land und zur See / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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VI

von dem cui bono? eines ſolchen Buchs zu reden. Ich antworte darauf: alles hat ſeine Berechtigung, was dem Geiſte des Menſchen beſtimmte und treue Eindrücke von Ereigniſſen, Thatſachen der Ge⸗ ſellſchaft, von Eigenthümlichkeiten gewiſſer Berufsarten, oder Be⸗ richte aus der Vergangenheit, ſei ihr Gebiet das des höheren oder des Familien⸗Lebens zuführt. Nur fehle es den Gemälden nicht an Naturwahrheit, wenn ſie nicht geradezu lebendige Urbilder haben. Sitten und Gewohnheiten tragen oft einen Gewinn aus unſerer leichteren Lecture davon, von welchem die Augenblicke, da er geſchoͤpft wurde, nur wenig Ahnung hatten.

Ich glaube, der größere Theil aller uns eigenthümlichen An⸗

ſichten hat ſeine Wurzel in Vorurtheilen, und dieſe rühren einfach aus der Wahrheit, daß es keinem Menſchen gegeben iſt, alles zu ſehen oder alles zu wißen. Selbſt die begünſtigtſten Sterblichen müßen mehr als die Hälfte ihres Wißens auf Treu und Glauben von Andern annehmen, und Allen Denen, die vermöge ihrer Stellung nie daran denken dürfen, eigene Urtheile über gewiſſe Sphären von Menſchen und Dingen zu gewinnen, müßen Gemälde von einer Beſchaffenheit willkommen ſein, welche ihnen eine beßere Kenninis von denſelben verbürgt als ſie je ſonſt gewonnen häͤtten. Eben dieß iſt der größte Nutzen, welchen leichte Lectüre überhaupt zu gewähren im Stande iſt; wenn der Autor nur Ueberſchreitungen meidet, mit Treue wiedergibt, und, wie unſer Freund Marble ſagen würde, mit Schonung verallgemeinert, ſo können die Gebilde der Phantaſie oft noch mehr wirken als ſtrenge Wahrheit.