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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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lichen ſeine Selbſtbeherrſchung. Aber ſo geſchah es nicht. Er ſchauderte wohl zuſammen, dann aber gewann er wieder die vorige Ruhe.

Du haſt Dich vergeblich unter der Menge nach einem wohl⸗ wollenden Auge umgeſehen! ſagte der Karmeliter, dem die konvul⸗ ſiviſche Bewegung nicht entgangen war.

Für einen Mörder hat hier keiner Mitleid.

.Denk' an Deinen Erlöſer, Sohn. Er litt Schmach und Tod für ein Geſchlecht, das ſeine Gottheit leugnete und ſeine Qual verhöhnte.

Jacopo bekreuzte ſich, und beugte ehrfurchtsvoll ſein Haupt.

Haſt Du noch mehr zu beten, Vater? fragte der Oberſte der Sbirren, dem die Aufſicht über die ganze Handlung übertragen war.Obgleich die erlauchten Räthe unerſchütterlich ſind in der Ge⸗ rechtigkeit, ſo haben ſie doch mit den Seelen der Sünder Erbarmen.

Haſt Du auch beſtimmte Befehle? fragte der Mönch, indem er ungewiß ſein Auge wiederum auf die Fenſter des Palaſtes heftete. Iſt es gewiß, daß der Gefangne ſterben muß?

Der Offizier lächelte über die Einfalt der Frage, und mit der Fühlloſtgkeit eines Mannes, der zu vertraut iſt mit menſchlichen Leiden, um Mitleid zu haben, fügte er hinzu:Es iſt das Schickſal aller Menſchen, ehrwürdiger Mönch, und namentlich derer, über die das Gericht des heiligen Marcus ergangen iſt. Es wäre beſſer, Euer Beichtling dächt' an ſeine Seele.

Du haſt doch auch gewiß beſondern und ausdrücklichen Befehl? Man hat Dir doch die Zeit zur Vollführung des blutigen Werkes genau beſtimmt?

Ja wohl, heiliger Karmeliter. Die Zeit wird nicht langſam ſeyn, und Ihr thätet gut, ſie Euch zu Nutze zu machen, wofern Ihr nicht ſchon mit dem Seelenzuſtand des Gefangenen zufrieden ſeyd.

So ſprechend warf der Offtzier einen Blick auf die Sonnenuhr des Platzes und ging kaltblütig fort, den Prieſter mit dem Gefangnen zwiſchen den Säulen wieder alleinlaſſend. Der Erſtere von dieſen