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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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Vater Anſelmo kehrte in einem Boote nach den Kanälen zuruͤck und landete auf dem Quai des kleineren Platzes mit der Hoffnung, jetzt Diejenigen aufſuchen zu dürfen, an denen er ſo lebhaften An⸗ theil nahm und von deren Schickſal er nichts weiter erfahren hatte. Aber nein. Der Mann, welcher ihn in der Kathedrale angeredet, ſtand dort, ihn offenbar erwartend, und da der Karmeliter wußte, daß ſeine Weigerung eben ſo fruchtlos als gefährlich ſeyn würde, weil der Staat mit im Spiele war, ſo ließ er ſich führen, wohin Jenem beliebte. Die Beiden gelangten auf einem Umwege in das Gefängniß. Hier wies man den Prieſter in das Zimmer des Haus⸗ warts und hieß ihn die weiteren Aufträge ſeines Führers erwarten.

Unſre Geſchichte führt uns jetzt in Jacopo's Zelle. Von dem Verſammlungszimmer der Dreie war er in ſein düſteres Gemach zurückgeführt worden, wo er die Nacht zubrachte. Mit anbrechen⸗ dem Tage ward der Bravo vor Diejenigen geſtellt, welche dem Scheine nach beauftragt waren, Recht über ihn zu ſprechen. Wir ſagen: dem Scheine nach, weil Gerechtigkeit in einem Lande nicht herrſchen kann, in welchem die Regierenden durchaus ganz andre Intereſſen haben, als die Regierten; weil bei einem ſolchen Syſtem immer, wann das Uebergewicht der beſtehenden Autoritäten ins Spiel kommt, der Trieb der Selbſterhaltung ſo gewiß auf ihre Entſcheidung Ein⸗ fluß haben wird, als er den Menſchen überhaupt treibt, Gefahren zu fliehen.

Wenn es in Ländern von milderer Regierung ſo zugeht, wird ſich der Leſer um ſo weniger wundern, daß es in einem Staate, wie Venedig, der Fall war. Wie im Vorigen ſchon angedeutet worden, hatten Die, welche über Jacopo zu Gerichte ſaßen, ihre Inſtruktionen, und das Verhör, welches er ausſtand, war eher ein dem äußern Schein gebrachtes Opfer, als eine Huldigung der Ge⸗ ſetze. Alle Anklagepunkte wurden gehörig beigebracht, Zeugen wurden verhört, oder doch angeblich verhört, und man ſorgte dafür, das Gerücht in der Stadt zu verbreiten, daß die Tribunäle ſich endlich