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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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wärtig müſſen wir dieſen Anſchlag gegen das Leben eines unter dem Schutze unſerer Geſetze geſtandnen Mannes in Erwägung ziehn. Nun entſpann ſich unter den Dreien eine angelegentliche Dis⸗ cuſſion über die beiden Verbrecher. Venedig war, wie alle despo⸗ tiſche Regierungen, ausgezeichnet durch ſeine Criminalpolizei, wenn es ihm nämlich beliebte, dieſelbe in Thätigkeit zu ſetzen. In allen Faällen, welche nicht die Politik des Staates angingen, oder keine Beſtechung zuließen. war die Juſtizpflege vollkommen zuverläſſig. Beſtechung kam übrigens bei weitem nicht ſo häufig vor als in anderen Geſellſchaften geſchieht, wo die Reichen minder in das Staatsintereſſe verflochten ſind, denn Venedig war eiferſüchtig und nutzte die beſtändige Thätigkeit ſolcher Leute, die man vor der Ver⸗ ſuchung dadurch bewahrte, daß man ihnen durch mancherlei Mono⸗ pole Gewinn ſicherte. Signor Soranzo hatte nun eine ſchöne Gelegenheit ſeine hochherzige Geſinnung geltend zu machen. Er war zwar ein Verwandter des Hauſes Gradenigo, nahm aber doch keinen Anſtand, das Betragen des jungen Adeligen ernſtlich zu rügen. Er begehrte zuerſt, daß ein ſchreckendes Exempel ſtatuirt und der Welt bewieſen würde, daß in Venedig. die Geburt nicht zu Ver⸗ brechen bevorrechte. Von dieſer Anſicht der Sache ward er jedoch durch ſeine verſchlagenen Kollegen zurückgebracht, welche ihn erin⸗ nerten, daß die Geſetze zwiſchen beabſichtigten und begangenen Ver⸗ brechen einen Unterſchied machten. Von ſeiner erſten Meinung ab⸗ gelenkt durch die kältere Erwägung ſeiner Kollegen, ſchlug der junge Inquiſitor vor, die Sache zur Entſcheidung den gewöhnlichen Ge⸗ richten zu übergeben. Es fehlte nicht an Beiſpielen, daß die ve⸗ netianiſche Ariſtokratie Einen aus ihrer eigenen Mitte dem Scheine der Gerechtigkeit zum Opfer gebracht hatte; denn ſolche Fälle, mit Klugheit geleitet, ſtatt ihre eigene Macht zu ſchwächen, vergrößerten ſie nur. Allein das vorliegende Verbrechen war ein zu gewöhnliches, als daß es ſich verlohnt hätte, ſo überſchwenglich freigebig in Auf⸗ opferung eigener Gerechtſame zu ſeyn, und die alten Inquiſitoren