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wohl edel zu nennen, ſich hervorthuend in jener kräftigen mäͤnnlichen Zeichnung, welche den ſchöneren Männern in Italien eigen iſt. Aus dieſen auffallenden Zügen hervor blitzte ein Auge voll Feuer, Klug⸗ heit und Leidenſchaft.
Indem der Fremde vorüberging, ſtreiften ſeine glänzenden Au⸗ gen den Gondelier und deſſen Gefährten, aber dieſer Blick, obgleich durchdringend, war doch antheillos, einer von jenen Streifblicken, welche Menſchen, die zu Mißtrauen Urſach haben, in die Menge zu werfen pflegen. Derſelbe Blick traf jeden Nächſten, der entgegen⸗ kam, und ehe ſich die feſte gehaltne Geſtalt im Haufen verlor, hatte das unſtäte Auge mit ſeinem ſchnellen blitzenden Strahl wohl zwanzig Andere berührt.
Der Gondelier und der Seemann ſchwiegen ſtill, bis ſie den Fremden, dem ſie ſtarr nachſahen, gänzlich aus den Augen verloren. Dann ſtieß der erſtere eintönig und mit tiefem Athemzuge hervor: „Jacopo!“
Sein Kamerad hob drei Finger auf, verſtohlen auf den Palaſt des Dogen deutend:
„Laſſen ſie Den ſo frei umherlaufen, ſelbſt in San Marco?“ fragte er mit unverſtelltem Erſtaunen.
„s iſt nicht leicht, caro amico, Waſſer Strom auf treiben, oder den Strom, wo er hinabſtürzt, hemmen. Die meiſten Sena⸗ toren, ſagt man, würden lieber ihre Ausſicht auf die gehörnte Mütze fahren laſſen als dieſen Jacopo! Er kennt mehr Familiengeheimniſſe als der gute Prior von San Marco, und doch ſitzt der arme Mann die Hälfte ſeiner Zeit im Beichtſtuhl.“
„Aha, ſie haben Furcht, ihm ein eiſern Wams anzulegen, da⸗ mit nicht Geheimniſſe ungeſchickt ausgepreßt werden.“
„Corpo di Bacco!'s wär' wenig Frieden in Venedig, wenn der Rath der Dreie ſich's einfallen ließe, die Zunge jenes Mannes ſo plump frei zu machen.“
„Man ſagt aber, Gino, daß der Rath der Dreie eine Manier


