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hoffe ich eine großmüthige Auslegung meiner Handlungsweiſe. Wir befinden uns hier nicht inmitten der Künſte und Täuſchungen der Anſtedlungen, ſondern wir ſind junge Leute, welche keine Ge⸗ legenheit haben, einander in irgend einer Weiſe oder Form zu betrügen. Ich hoffe, ich rede verſtändlich.“
„Gewiß, Judith; Wenige konverſiren beſſer als Ihr, und wohl Keine angenehmer. Eure Worte ſind ſo gefällig wie Euer Ausſehen.“
„Die Art und Weiſe, wie Ihr dieß Ausſehen ſo oft gerühmt habt, iſt es, was mir Muth gibt fortzufahren. Dennoch, Wild⸗ tödter, iſt es nichts Leichtes für Eine von meinem Geſchlecht und meinen Jahren, alle Lehren ihrer Kindheit, all' ihre Angewöh⸗ nungen und ihre natürliche Schüchternheit zu vergeſſen, und offen herauszuſagen, was ihr Herz fühlt!“ 1
„Warum nicht, Judith? Warum ſollten nicht Frauen ſo gut wie ein Mann offen und redlich mit ihren Mitmenſchen verkehren? Ich ſehe keinen Grund, warum Ihr nicht ſo geradeheraus ſprechen ſolltet, wie ich, wenn Ihr Etwas wirklich Wichtiges zu ſagen habt.“
Die unüberwindliche Beſcheidenheit, welche den jungen Mann noch immer die Wahrheit nicht ahnen ließ, würde das Mädchen ganz entmuthigt haben, wäre nicht ihre Seele, wie ihr ganzes Herz entſchloſſen und begierig geweſen, einen verzweifelten Verſuch zu wagen, um ſich vor einer Zukunft zu retten, welche ſie mit einem Abſcheu fürchtete, der nicht minder lebhaft war, als die deutliche Sicherheit, womit ſie dieſelbe vorherzuſehen wähnte. Dieſer Beweggrund nun erhob ſie über alle gewöhnlichen Rückſichten, und ſie blieb bei ihrem Vorhaben, zu ihrem eigenen Erſtaunen, wo nicht zu ihrer großen Beſchämung.
„Ich will— ich muß ſo offen mit Euch ſprechen, wie ich es mit der armen, lieben Hetty thäte, wäre das ſüße Kind noch am Leben,“ fuhr ſie fort, und wurde blaß, ſtatt roth. Denn die kühne Entſchloſſenheit, von der ſie getrieben wurde, hielt die


