Zweiunddreißigſtes Kapitel.
„Du kannſt nicht mit! Hör' an, ich bitt', Hör' an und laß es ſeyn.
Was iſt der Wald für Aufenthalt Für Dich, du Mädchen fein!
In Froſt und Schnee, in Durſt und Weh, In Hunger, Furcht und Schmerz; Nein, Mädchen, nein! es kann nicht ſeyn,
Bleib' hier und ſtill' dein Herz. Was wird die Stadt, die Zungen hat, So ſcharf wie Spieß und Schwert, Für bittre Schmach dir reden nach, Wenn ſie die Flucht erfährt?“ Das nußbraune Mädchen(nach Herder's Bearbeitung.)
Ver noch übrige Tag ward ein ſehr melancholiſcher, ob⸗ gleich es nicht an lebhafter Thätigkeit fehlte. Die Soldaten, welche vor Kurzem beſchäftigt geweſen, ihre Opfer zu beerdigen, hatten jetzt die Aufgabe, ihre eigenen Todten zu beſtatten. Die Scene des Morgens hatte einen trüben Eindruck bei all' den Gentlemen der Truppe zurückgelaſſen; und die Uebrigen empfanden den Einfluß einer ähnlichen Stimmung in verſchiedener Weiſe, und in Folge verſchiedener Urſachen. Stunde um Stunde ſchleppte ſich hin bis der Abend anbrach, und dann kamen die letzten trau⸗ rigen Pflichten zu Ehren der armen Hetty Hutter. Ihr Leichnam ward in den See verſenkt, neben dem der Mutter, die ſie ſo ge⸗ liebt und geehrt hatte; und der Wundarzt, obwohl in der That ein völliger Ungläubiger, bequemte ſich ſo weit dem hergebrachten Anſtand und Brauch, daß er über ihrem Grabe das Leichengebet las, wie er früher ſchon über dem Grabe der andern gefallenen Chriſten gethan hatte. Es war gleichgültig, das allſehende Auge, das in den Herzen liest, wußte dennoch wohl zu unterſchei⸗ den zwiſchen den Lebendigen und den Todten, und die ſanfte Seele


