Druckschrift 
Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika / von J. F. Cooper. Aus dem Engl. von C. Kolb
Entstehung
Einzelbild herunterladen

619

weſen, um früher etwas von dieſer Neuigkeit zu erfahren. Er ſetzte daher ſinnend und ſchwermüthig ſeinen Spaziergang fort.

Das iſt der Lohn unerlaubter Hoffnungen und Plane, die das Mißfallen Gottes auf ſich ziehen, rief er nach einer Weile. Ich lebe des feſten Glaubens, daß die Vorſehung auf des Ad⸗ mirals Seite war und gewiß, theure Mercedes, auch auf der meinigen.

Dieß iſt Santa Clara, bemerkte die Gräfin.Luis, ich möͤchte wohl hinein gehen, um an ihren Altären für Deine Er⸗ haltung und Rückkehr mein Dankopfer darzubringen und für Don Chriſtophs künftiges Glück zu beten.

Beide traten in die Kirche und knieten mit einander an dem Hochaltar nieder; denn es war damals anders als heutzutage, und ſelbſt der muthigſte Krieger ſcheute ſich nicht, ſeine Dankbarkeit gegen Gott, wie die eigene Rathloſigkeit öffentlich anzuerkennen. Nach verrichtetem Gebete kehrte das glückliche Paar ſchweigend nach dem Strande zurück und ließ ſich an Bord der Felukke bringen.

Des andern Morgens früh ſegelte die Ozema wieder nach Malaga, denn Luis befürchtete, erkannt zu werden, wenn er länger in Palos bliebe. Sie erreichten wohlbehalten den Hafen und langten bald darauf zu Valverde, Mereedes' Ahnenſitze, an, wo wir unſeren Helden und unſere Heldin in dem Ge⸗ nuſſe eines Glückes verlaſſen, wie es nur durch die Verbindung männlicher Zärtlichkeit auf der einen mit der Reinheit des Herzens und der edlen Hingebung weiblicher Liebe auf der andern Seite geſchaffen werden kann.

In ſpäteren Tagen gab es wohl wieder Luis de Bobadillas unter Spaniens ritterlichem Adel und andere Mercedes, die die Herzen frohſinniger, hochſtrebender Jünglinge bedrängten; aber es gab nur noch eine Ozema. Sie erſchien unter der nachfolgenden Regierung am Hofe und glänzte eine Weile wie ein Stern, der