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„Juſt ſo, Excellenz, auch wegen anderer wichtigen Ereigniſſe merkwürdig. Soll ich Euch an's Land führen, gnädige Frau?“
Mercedes willigte ein, und in zehn Minuten betraten ſie und ihr Gatte das Ufer, kaum ſechs Klafter von der Stelle, wo Co⸗ lumbus und Luis ſich im vorigen Jahre eingeſchifft hatten. Das feſte Sandgeſtade war mit Menſchen bedeckt, die in der Abend⸗ kühle ſpazieren gingen. Die Meiſten davon gehörten der niedereren Klaſſe des Volkes an, denn Spanien iſt, wie wir glauben, das einzige Land, wo die Bevölkerung von Gegenden, die durch ein herrliches Clima begünſtigt ſind, ſich an öffentlichen Spaziergängen zu dieſer bezaubernden Stunde getrennt hält.
Luis und ſeine ſchone Gattin hatten ſich blos um der Erho⸗ lung und Bewegung willen an's Land ſetzen laſſen, da die Felukke ihnen jedenfalls beſſere Bequemlichkeiten bot, als was immer für eine Hoſteria von Palos. Sie miſchten ſich daher in das Gewüͤhl der Spaziergänger. Gerade vor ihnen befand ſich eine Gruppe junger Weiber, welche in lebhaftem und lautem Geſpräche begriffen waren, ſo daß man recht gut dem Gange ihrer Unterhaltung folgen konnte. Der Gegenſtand derſelben war die Reiſe nach Cathay, was im Augenblick die Aufmerkſamkeit unſeres Helden und unſerer Heldin auf ſich zog.
„Heute,“ ſagte eine aus dem Häufchen in dem Tone des Uebergewichts,„heute ſegelte Don Chriſtoval von Cadiz aus. Die Herrſcher hielten Palos für einen zu kleinen Hafen, um zur Aus⸗ rüſtung eines ſo großen Unternehmens dienen zu können. Ihr könnt Euch auf meine Worte verlaſſen, gute Nachbarinnen, denn ihr wißt, mein Mann hat eine Anſtellung auf des Admirals eigenem Schiffe.“
„Ihr ſeyd zu beneiden, Nachbarin, daß ein ſo berühmter Mann ſo große Stücke auf ihn hält!“
„Wie kann es auch anders ſeyn, da er ihn früher begleitete, als nur Wenige den Muth hatten, ſich ſeinem Gefolge anzuſchließen,


