der ſie ſich entſchloſſen hatte, alle ihre Hoffnungen zu dem zu opfern, was ihr als das Glück ihres Geliebten erſchien, gewann der ver⸗ lockende Einfluß erwiederter Liebe bald wieder ſeine volle Gewalt.
„So komm mit mir, Luis, und beſuche Ozema,“ fuhr ſie end⸗ lich fort.„Wenn Du ſie in ihrem gegenwärtigen Zuſtande ſtehſt, ſo wirſt Du Deine eigenen Abſichten beſſer verſtehen. Ich hätte Deine früheren Gefühle nicht in einer Privatunterredung, ohne daß Ozema gegenwärtig war, wieder neu aufleben laſſen ſollen, denn es gleicht einem Urtheilsſpruche, für den man blos die eine Partei vernommen hat. Und Luis“— das höhere Roth, die Wirkung eines edlen Gefühles und nicht der Schaam, lieh dem Mädchen einen unausſprechlichen Zauber—„und Luis, wenn Du es nach einem Beſuche bei der Prinzeſſin für gerathen finden ſollteſt, Deine Sprache zu aͤndern, wie ſchmerzlich es mir auch fallen mag, Du darfſt für alles, was vorgefallen, meiner Verzeihung verſichert ſeyn, und meiner Gebete—“
Schluchzen erſtickte Mercedes' Stimme; ſie hielt einen Augen⸗ blick inne, um ſich die Thränen aus dem Auge zu wiſchen, und wies mit einem gewiſſen eiferſüchtigen Gefühl hinſichtlich des Aus⸗ ganges Luis' Bewegung zurück, der ſie, um ſie zu tröſten, in ſeine Arme ſchließen wollte, obſchon dieſe Ablehnung mehr den Ausdruck edlen Bewußtſeyns als den der Empfindlichkeit trug. Als ſie ſich die Augen getrocknet und die übrigen Spuren ihrer Aufregung entfernt hatte, ging ſie nach Ozema's Gemach voran, wo man der Ankunft des jungen Mannes entgegen ſah.
Luis bebte ein wenig zurück, als er in das Zimmer trat und bemerkte, daß die Königin und der Admiral anweſend waren,— als er ferner zugleich Zeuge der Verheerungen wurde, die ſich in dem Aeußeren der ſchmerzlich getäuſchten Ozema kundgaben. Die Farbe des Lebens war gewichen und die Bläſſe des Todes an ihre Stelle getreten; ihre Augen leuchteten von einem faſt übernatürlichen Glanze, und doch war ihre Schwäche ſo augenfällig, daß es nöthig
Donna Mercedes. 2te Aufl. 38
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