586
lang ſeyn. Als Du auf mein Anrathen Spanien verließeſt, um Dich bei dieſer großen Reiſe zu betheiligen, liebteſt Du mich— eine glückliche Rückerinnerung, die mir von keiner Erdenmacht ent⸗ riſſen werden kann! Ja, damals liebteſt Du mich— und mich allein. Wir ſchieden unter Schwüren gegenſeitiger Treue; und ſo lang Du abweſend wareſt, verging kein Tag, daß ich nicht ſtunden⸗ lang auf meinen Knieen lag, und für den Admiral und ſein Ge⸗ folge zum Himmel flehte.“
„Theuerſte Mercedes, es kann Dich nicht überraſchen, daß der Erfolg unſere Bemühungen krönte; eine ſolche Beterin konnte nicht unerhört bleiben.“
„Ich muß Dich erſuchen, Sennor, mich ausreden zu laſſen. Bis zu dem glorreichen Tage, welcher die Botſchaft eurer Rückkehr brachte, konnte keine Spanierin mehr Sorge für den Mann fühlen, auf den ſie alle ihre Hoffnungen ſetzte, als ich für Dich empfand. Doch wenn auch die Gegenwart mit Furcht und Bangen erfüllt war, ſo glänzte mir doch die Zukunft im herrlichſten Hoffnungs⸗ ſtrahl. Der Bote, welcher an den Hof kam, öffnete meine Augen zuerſt der traurigen Wirklichkeit des Lebens und gab mir die harte Lehre, in die die Jugend ſo ſchwer ſich ſchicken kann— nemlich die der getäͤuſchten Hoffnung. Damals hörte ich zuerſt von Ozema — der Bewunderung, die Du ihrer Schönheit zollteſt— der Be⸗ reitwilligkeit, um ihretwillen Dein Leben zu opfern.“
„Heiliger Lukas! wagte es dieſer nichtswürdige Sancho, Dein Ohr durch Mittheilungen zu verletzen, die mit der Kraft und der Beſtändigkeit meiner Liebe zu Dir in Berührung ſtanden?“
„Tadle ihn nicht, Luis, denn er hat nichts, als die Wahrheit berichtet. Seine Nachrichten haben mich auf irgend ein Unglück vorbereitet und ich danke Gott, daß es mir nur allmählich näher trat und ich daher auf Mittel bedacht ſeyn konnte, die mir es tra⸗ gen helfen. Als ich Ozema erblickte, konnte ich mich über den Wechſel Deiner Geſinnung nicht mehr wundern— ja, ihn kaum


