Verfügung geſtellt iſt. Im Jahre 1469 näherte ſich Spanien mit raſchen Schritten dem Emde des großen Kampfes, in welchem ſich durch ſteben Jahrhunderte hindurch der Chriſt und der Muſelmann die Herrſchaft über die Halbinſel ſtreitig machten. Letzterer hatte lange in den ſüdlichern Theilen von Leon die Oberhand gehabt, und in den Paläſten Valladolids einige Spuren ſeiner barbariſchen
Pracht hinterlaſſen. Allerdings waren die hohen, mit Stuckarbeit
verſehenen Decken noch nicht ſo prachtvoll als die, welche man im Süden fand, aber doch waren die Mauren hier geweſen, und der Name Veled Vlid, aus welchem ſich der Name der Stadt bildete, be⸗ zeichnet ihre arabiſche Abkunft.
In dem ebenerwähnten Gemache, und in dem erſten Palaſte dieſer alten Stadt, dem des Juan de Vivero, ergingen ſich zwei Damen in ernſter und angelegentlicher Unterhaltung. Beide waren jung, und beide würden zu jeder Periode oder in jeder Gegend der Erde, wiewohl in verſchiedener Weiſe für ſchön gehalten wor⸗ den ſeyn. Eine davon war in der That unbeſchreiblich liebens⸗ würdig. Sie hatte eben das neunzehnte Jahr erreicht, ein Alter, in welchem das weibliche Geſchlecht unter dieſem üppigen Himmels⸗ ſtriche in der vollſten Entwicklung ſteht, und der phantaſiereichſte Dichter Spaniens, eines Landes, das wegen der Schoönheit ſeiner Frauen ſo berühmt iſt, hätte ſich kein ſchöneres Ebenmaaß der Form malen können. Hände, Füße, Bruſt und alle Umriſſe trugen das Gepräge weiblicher Liebenswürdigkeit, während der Wuchs hinreichend hoch war, um den Adel einer ruhigen Würde auszu⸗ drücken, doch ohne an das Männliche zu gränzen. Wer dieſe Dame zum erſtenmal erblickte, mochte ſich wohl etwas verlegen fühlen, ob er den mächtigen Einfluß, welchen ſie zu üben geeignet war, mehr der Vollendung der äußeren Form, oder dem Ausdruck zuſchrei⸗ ben müſſe, welchen die Seele einem faſt tadelloſen Aeußern mit⸗ theilte. Das Geſicht ſtand in jeder Hinſicht mit der übrigen Ge⸗ ſtalt im Einklange. Obgleich unter Spaniens Sonne geboren, führte


