Druckschrift 
Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika / von J. F. Cooper. Aus dem Engl. von C. Kolb
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die ſchwelgeriſchen Caſtilianer hatten bei dieſem Anlaß Ge⸗ legenheit, die Strenge zu bemerken, durch welche es Don Ferdinand in dem unreifen Alter von achtzehn Jahren, denn er war kaum älter, gelungen war, ſeinen Körper aufs äußerſte abzuhärten und ſeine Nerven ſo zu kräftigen, daß er zu jeder Waffenthat fähig war. Die ſchwerſten militäriſchen Uebungen gewährten ihm Vergnügen, und kein Ritter von Aragon wußte ſein Roß ſowohl beim Turnier als auf dem Schlachtfelde beſſer zu tummeln. Seine Geſichtsfarbe war, wie die der meiſten vom königlichen Stamme ſowohl in jener fernen, als in der gegenwärtigen Periode, trotz der heißen Sonne ſeiner Heimath blendend, obſchon ſie bereits durch die häufigen Jagden und die kriegeriſchen Beſchäftigungen ſeiner Knabenjahre etwas gebräunt erſchien. Er lebte ſo mäßig wie ein Muſelmann und ſeine bewegliche und ſchön gebaute Geſtalt ſchien ſich früh abgehärtet zu haben, als ob die Vorſehung ihn zu Abſichten aufbewahrt hätte, welche ebenſowohl große körperliche Kraft, als tiefe Einſicht und einen regen Scharfſinn erforderten. Während der nun folgenden vier oder fünf Tage wußten die caſtilianiſchen Edeln, welche Zeugen ſeiner Unterhaltung waren, nicht, ob ſie den Strom ſeiner Bered⸗ ſamkeit, oder ſeine Vorſicht in Gedanken und Ausdruck mehr bewun⸗ dern ſollten; denn wenn letztere auch fuͤr ſein Alter als allzuwelt⸗ lich und herzlos erſcheinen mochte, ſo mußte man ſie doch als ein hohes Verdienſt bei einem Manne betrachten, der dazu beſtimmt war, über das Spiel der Leidenſchaften, die Verkettungen der an Höfen üblichen Intriguen, und die ſchnöde Selbſtſucht der Menſchen zu herrſchen.