9
ſcheinlich unterdrückte Diego's Lachen einen plötzlichen Ausbruch des Unwillens, denn der Soldat war einer von denen, deren Weiſe zu viel Gutmüthigkeit verrieth, als daß man leicht hätte empfindlich werden können.
„Dein Kneipen mag wohl gut gemeint ſeyn, Kamerad, aber es iſt etwas derb,“ bemerkte der junge Dienſtmann mild;„ich möchte Dir aber rathen, in Zukunft eine ſolche allzu große Ver⸗ traulichkeit zu unterlaſſen; ſie koͤnnte Dir ſonſt eines Tages einen zerbrochenen Schädel eintragen.“—
„Beim heiligen Pedro, es ſollte mir ein Vergnügen machen—“
Er kam jedoch zu ſpät; denn da die Kaufleute bereits weiter geritten waren, gab der Jüngling ſeinem Maulthiere ſcharf den Sporn, worauf das kräftige Thier vorwärts ſchoß, und durch dieſe Bewegung unſern Diego, der ſich hart an den Sattelknopf ge⸗ drängt hatte, beinahe umwarf.
„Der Junge hat Feuer,“ rief der gutmüthige Soldat, als er ſich wieder in's Gleichgewicht geſetzt hatte.„Ich glaubte einen Augenblick, er habe im Sinne, mir die Chre einer Bekanntſchaft mit ſeiner Hand angedeihen zu laſſen.“
„Du haſt Unrecht, und ſollteſt Dir ſolche Unbeſonnenheiten abgewöhnen, Diego,“ entgegnete ſein Kamerad. Kein Wunder, wenn Dich der junge Mann für die unwürdige Behandlung, die Du ihm angethan haſt, zu Boden geſchlagen hätte.“
„Ha! der gemiethete Bediente eines kriechenden Juden!— Er hätte es wagen ſollen, einen Streich nach einem Soldaten des Königs zu führen.“
„Er mag wohl ſeiner Zeit ſelbſt ein Soldat des Königs ge⸗ weſen ſeyn. Wir leben in Zeiten, wo an die meiſten von ſeinem Körperbau und ſeinen Muskeln der Aufruf ergeht, einen Harniſch anzulegen. Es iſt mir, als ob ich dieſes Geſicht ſchon früher geſehen hätte, ja, und noch obendrein an einem Orte, wo es für Feiglinge nicht gerathen war, hinzugehen.“


