— ü—
Der Vater Heinrichs war, wie der Sohn, zweimal vermählt ge⸗ weſen, und hatte aus zweiter Ehe einen Sohn und eine Tochter, Alfons und Iſabella hinterlaſſen, von denen die letztere ſpäter unter dem doppelten Titel„der Königin von Caſtilien“ und„der Katho⸗ liſchen“ eine Berühmtheit erlangte.
Heinrichs verſchwenderiſche, ohnmächtige Regierung hatte einen Theil ſeiner Unterthanen zu offener Empörung getrieben. Drei Jahre vor dem Beginn unſerer Erzählung war ſein Bruder Alfonſo an ſeiner Statt als Koͤnig ausgerufen worden, und die Schrecken des Bürgerkriegs hatten durch alle Provinzen getobt. Dieſer Krieg war in der letzten Zeit durch Alfonſo's Tod zu Ende gekommen, und ein jeweiliger Friede durch einen Vertrag hergeſtellt worden, in welchem Heinrich einwilligte, ſeine Tochter— oder vielmehr die Tochter Johanna's von Portugall— von der Reichsnachfolge aus⸗ zuſchließen, und ſeine Halbſchweſter Iſabella als rechtmäßige Thron⸗ erbin anzuerkennen. Dieſes letztere Zugeſtändniß war ein Werk der herben Nothwendigkeit, und führte, wie zu erwarten ſtand, zu manchen geheimen und gewaltſamen Maßregeln, durch welche man die Folgen derſelben zu entkräften hoffte. Unter andern Mitteln, welche der König, oder vielmehr deſſen Günſtlinge— da die Un⸗ thätigkeit und Gleichgültigkeit des trägen aber gutmüthigen Fürſten ſprüchwörtlich war— verſuchten, um den wahrſcheinlichen Folgen von Iſabellens vorausſichtlichem Regierungsantritt entgegen zu ar⸗ beiten, beabſichtigte man auch, ſich dadurch zum Herren ihres Willens und ihrer Politik zu machen, daß man ihre Hand zuerſt einem Unterthan, und dann einem oder dem andern fremden Fürſten geben wollte, wobei jedoch ſtets auf Menſchen Rückſicht genommen wurde, durch welche man ihre Macht brechen zu können hoffte. Ueberhaupt war gerade zu dieſer Zeit die Vermählung der Prin⸗ zeſſin die wichtigſte Aufgabe der ſpaniſchen Staatsklugheit. Auch der Sohn des Königs von Aragon war einer der Bewerber um Iſabellens Hand, und die meiſten, welche von der beabſichtigten


