des Oberdecks leer; aber näher bei dem Orte, wo der verdroffene Seemann müſſig über das Steuer des Schiffs ſich herabbeugte, ſtand ein Weſen von ganz verſchiedener Geſtalt und Kleidung. Es war ein Mann, der für einen hochbejahrten Greis hätte gehalten werden mögen, wofern nicht der raſche, glühende Blick ſeiner Augen und der lebhafte kräftige Schritt, wenn er gelegentlich über das Deck hinging, die gewöͤhnlichen Anzeichen vorgerückten Alters Lügen ge⸗ ſtraft hätte. Seine Geſtalt war gebückt und faſt zur Ausgezehrt⸗ heit abgemagert. Sein Haar, das etwas wild um ſeine Schläfe flatterte, war dünn und zu dem Silberweiß von wenigſtens achtzig Wintern abgebleicht. Tiefe Runzeln vereinten ſich als Zeichen ho⸗ hen Alters und lange getragener Sorgen und furchten ſeine hohlen Wangen, wodurch der kühne Umriß ſeiner hervorragenden Züge noch auffallender wurde. Er trug ein einfaches und etwas abge⸗ tragenes Gewand von beſcheidenem Grau, das die ſchlecht verhüll⸗ ten Spuren langen, unachtſamen Gebrauchs zeigte. So oft er den durchbohrenden Blick vom Ufer abwandte, ſchritt er ſchnell über das verlaſſene Oberdeck hin und ſchien ganz von ſeinen eigenen Ge⸗ danken übermannt; die Lippen bewegten ſich raſch, doch hörte man keinen Laut aus einem Munde hervorkommen, der gewöhnlich ſtumm war, und allem Anſchein nach ſtand er unter der Einwirkung eines jener plötzlichen Eindrücke, in welchen der Körper ſo genau mit der ruheloſen Thätigkeit des Geiſtes zuſammenſtimmt. Da kam ein zweiter junger Mann aus der Kajüte heraufgeſtiegen und nahm ſeinen Standpunkt unter den nach dem Lande blickenden Zuſchauern auf dem oberen Theil des Verdecks. Das Alter dieſes Herrn mochte etwa fünfundzwanzig ſeyn. Er trug einen Militärmantel, nachläſſig über die Schulter geworfen, und dieſer, nebſt denjenigen Theilen ſeiner Kleidung, welche durch die offenen Falten ſichtbar waren, bewies genugſam, daß er zur Armee gehörte. Der Jüngling zeigte in ſeiner Miene etwas Ungezwungenes und Vornehmes, obgleich ſeine ſprechenden Züge zuweilen melancholiſch erſchienen. Indem
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Lionel Lincoln, oder die Belagerung von Boston / von J. F. Cooper. Nach der letzten, vom Verfasser durchges., verb. und mit Anmerkung versehenen Ausg. übertr. von Eduard Mauch
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