518
der ſo edel denkt und handelt. Wenn Euch Krankheit oder Mangel heimſuchen und der Friede einmal unſere Mühen gekrönt hat, ſo ſucht die Thüre des Mannes, der ſo oft unter dem Namen Harper mit Euch zuſammen kam; er wird dann nicht erröthen, Euch an ſeinem heimiſchen Herde willkommen zu heißen!“
„Ich brauche nur wenig für dieſes Leben,“ ſagte Harvey. „So lange mir Gott Geſundheit und einen ehrlichen Erwerb an⸗ gedeihen läßt, kann ich in dieſem Lande nie Mangel leiden. Aber das Bewußtſeyn, Euer Excellenz zum Freunde zu haben, iſt ein Segen, den ich höher anſchlage, als alles Gold der engliſchen Schatzkammer.“
Der General verſank eine Weile in tiefes Sinnen. Dann ging er zu dem Pulte, ſchrieb einige Zeilen auf ein Blättchen Papier und gab es dem Hauſirer.
„Ich muß glauben,“ ſagte er,„daß die Vorſehung dieſes Land zu etwas Großem und Herrlichem beſtimmt hat, wenn ein ſolcher Patriotismus die Herzen ſeiner geringſten Bürger erfüllt. Einem Gemüthe, wie das Eurige, muß es etwas Schreckliches ſeyn, mit dem Brandmale eines Feindes der Freiheit in das Grab zu ſteigen. Aber Ihr wißt, daß manches Leben als Opfer fallen müßte, wenn Euer wahrer Charakter kund würde. Es iſt unmöglich, Euch jetzt Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, aber ich kann Euch ohne Furcht dieſes Zeugniß anvertrauen. Wenn wir uns ja nicht wieder begeg⸗ nen ſollten, ſo kann es vielleicht Euern Kindern nützlich werden.“
„Kinder!“ rief der Hauſtrer.„Kann ich die Schmach meines Namens auf eine Familie vererben?“
Der Offizier bemerkte die heftige Gemüthserregung des Krämers mit ſchmerzlicher Theilnahme und machte eine leichte Bewegung nach dem Golde, die jedoch durch den immer noch unveränderten Aus⸗ druck in dem Geſichte ſeines Gefährten angehalten wurde. Harvey, der ſeine Abſicht bemerkt hatte, ſchüttelte den Kopf und fuhr gelaſſener fort:
„Sie haben mir in der That einen Schatz gegeben, und er


