und ihre Glieder zitterten, ſo daß ſie ſich kaum aufrecht zu halten vermochte. Doch war die Art, wie ſie ihm entgegenkam, liebevoll und offen. Bei dieſem Beſuche Pfadfinders, der, obgleich letzterer in der Wohnung ſeiner Freunde ſpeiste, nicht länger als eine Stunde dauerte, hätte ein geübter Seelenkenner ein treues Bild von Mabels Gefühlen, wie auch von ihrem Benehmen gegen Pfadfinder und ihren Gatten erhalten können. Gegen den letzteren zeigte ſie, wie es bei Neuvermählten gewöhnlich iſt, noch etwas Zurückhaltung, aber der Ton ihrer Stimme war ſogar noch ſanfter als gewöhnlich: ihre Blicke waren zärtlich und ſie ſah ihn ſelten an, ohne daß die Glut ihrer Wangen Gefühle verrieth, welchen Zeit und Gewohnheit noch nicht den Stempel der vollkommenen Ruhe aufgedrückt hatten. Gegen Pfadfinder war ſie ernſt, aufrichtig, ſogar aͤngſtlich; aber ihre Stimme bebte nie; das Auge ſenkte ſich nicht, und wenn die Wangen errötheten, ſo geſchah dieß in Folge von Regungen, welche ſich mit der Beſorgniß verbinden.
Endlich kam der Augenblick, wo Pfadfinder aufbrechen mußte. Chingachgook hatte bereits die Kähne verlaſſen und ſich am Saume des Waldes aufgeſtellt, wo ein Pfad ins Innere führte. Hier erwartete er ruhig die Ankunft ſeines Freundes. Sobald letzterer dieſes bemerkte, erhob er ſich feierlich und nahm Abſchied.
„Ich habe bisweilen gedacht, daß das Schickſal ein wenig zu hart mit mir umgegangen ſey,“ ſagte er;„aber dieſes Weib, Ma⸗ bel, hat mich beſchämt und zur Vernunft gebracht.“
„June wird bei mir bleiben,“ unterbrach ihn raſch unſere Heldin.
„Ich habe mir das auch ſo vorgeſtellt. Wenn irgend jemand ihren Schmerz heilen und ihr das Leben wieder werth machen kann, ſo ſind Sie es, Mabel, obgleich ich zweifle, daß es Ihnen gelingen wird. Das arme Geſchöpf iſt eben ſo ſehr ohne Stamm, als ohne Gatten, und es iſt nicht leicht, ſich mit dem Gefühle aus⸗ zuſöhnen, beide verloren zu haben.— Ach! warum kümmere ich mich


