— 30—
erſpähen; eine Geſchichte, die ihr Italiener, wie ich nicht zweifle, an den Fingern herzuerzählen wißt.⸗
Gaetano Grimaldi ſah ein wenig verlegen auf, denn obgleich er in der Kenntniß der heidniſchen Mythologie ſehr bewandert war, ſo war er als Papiſt und als Laie mit der Bibel eben nicht allzu vertraut. Anfangs glaubte er, der Landvogt habe in ſeiner Erklärung der Mytho⸗ logie nur einen kleinen Mißgriff gemacht; als er aber ſein Gedächtniß ein wenig in Anſpruch nahm, gewahrte er einige matte Strahlen der Wahrheit, wodurch er ſei⸗ nen Ruhm als Gelehrter rettete, und was er weſentlich dem Umſtande dankte, daß er einige berühmte Gemälde geſehen hatte, welche dieſen Gegenſtand darſtellten, eine Art Unterricht in der Bibel, die unter denen ziemlich gemein iſt, welche die katholiſchen Länder in dem an⸗ dern Welttheile bewohnen.
„Die Geſchichte von der kieſenhaften Traube iſt Euch gewiß nicht entgangen, Signore!“ rief Peterchen, über das ſichtbare Zaudern des Italieners erſtaunt.„Sie iſt eine der ſchönſten Erzählungen in dem heiligen Buche. Ha!— ſo wahr ich lebe— da koömmt der Eſel ohne ſeinen Reiter!— Was iſt aus dem Lümmel, Antoine Giraud, geworden?— Der Schurke iſt abgeſtiegen, um in irgend einer Bude einen friſchen Zug zu thun, nach⸗ dem er ſeinen Schlauch bis auf die Neige geleert hatte! Das iſt Nachläßigkeit! ein nüchterner Mann, oder we⸗ nigſtens einer von ſtärkerem Kopfe hätte zu der Rolle genommen werden müſſen;— denn, Ihr müßt wiſſen, dies iſt ein Charakter, der es wenigſtens mit einer Ga⸗ lone aufnehmen muß, indem die Proben allein hinreichen,


