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edderic von Norrmann.
keln, und ſeine Bewegung verdiente daher Ver⸗ zeihung.
Aber jene Aufwallung eines Unwillens, den die bitterſte Täuſchung, welche einem liebenden Sohne nur werden konnte, hervorgerufen, dauerte nur Sekunden, und bald trat der Schmerz mit ſeiner ganzen Heftigkeit und Kraft wieder in ſein Recht
Der Jüngling hatte gewiß nicht ſo viel Be⸗ ſinnung, ſich logiſche Schlüſſe und Gründe dafür zu bilden, aber ſein Inneres ſträubte ſich dagegen, den letzten Worten der Verſtorbenen Glauben zu ſchenken, und die Thränen, welche er jetzt vergoß, waren wirklich der Trauer um die verlorene Mut⸗ ter geweiht.
Sein Schmerz aber war zu heftig, um lange auf dieſe Weiſe anhalten zu können, und bald erhob er ſich, um anderen Regungen nachzu⸗ geben.
Fedderic ſprang auf und eilte hinaus.
Auf dem Flure ſchon rief er den Namen Lor⸗ ſen! und wiederholte denſelben durch das ganze Haus, durch den Hof, den Garten und die Ne⸗ bengebäude, welche er durchſtöberte.
In einem der letzteren fand er ſein geſatteltes Pferd und der Anblick deſſelben erſchütterte ihn von Neuem heftig.
Es war alſo kein Traum, was er eben er⸗ fahren, es war alſo nicht, wie er einen Moment geglaubt, eine Fieberphantaſie, was er vernom⸗ men, es war Wirklichkeit; und die Gewißheit die⸗ ſer Wirklichkeit war ohne Zweifel ſchrecklicher, als der wilde Schmerz, welchen der Verluſt einer ge⸗ liebten Mutter in ſeiner Bruſt hätte entzünden können.
Dieſer Schmerz hatte arg in ſeinem Herzen gewüthet, das iſt wahr, aber der Jüngling hätte ihn zurückwünſchen mögen gegen dieſe Centnerlaſt, welche ſich jetzt auf ſeine Bruſt ſenkte und ihn zu erdrücken drohte.
Was war er— der nie über dieſe Frage nachgedacht und auch nicht nöthig gehabt hatte, über dieſelbe nachzudenken?
Was hatte man mit ihm vor und was ſollte aus ihm werden— der nie einen Gedanken ge⸗ hegt hatte, etwas zu werden?
— O mein Gott! ſeußzte er und richtete ſei⸗ nen Blick zum Himmel auf; aber in dieſem Blick lag Alles, was er augenblicklich empfand, Schmerz, Wuth und Verzweiflung.*
Doch wie die Uebergangsſtadien unter allen Verhältniſſen ſtets eine Neugeburt ſind, ſo rüt⸗ telte die neue Stimmung auch das Bewußtſein des Jünglings wach. Er fühlte, wie unſichtbare Mächte ſich zum Kampf gegen ihn verbunden hat⸗ ten, und die Zukunft lag verworren, drohend und finſter vor ihm.
Der Knabe von vorher, der weiche Jüngling ward plötzlich ein Mann, der ſich ſtark zum Kampf mit dem Geſchick fühlte, und dieſer Mann wiſchte die letzte Thräne eines weibiſchen Schmerzes von ſeinen Augenlidern, um ihn mit dem Kummer des Mannes zu vertauſchen, welcher ſeine Stirn in Falten legte.
Fedderic richtete jetzt einen zweiten Blick nach oben, aber dieſer Blick war eine Herausfor⸗ derung.
Der Jüngling ſchritt in das Zimmer zurück, welches er vor Kurzem verlaſſen hatte, und ſtan wiederum vor der Todten.
Aber ſein Geſicht war jetzt kalt und ruhig,
die Liebe zu der Dame, welche nur ſeine Pfle⸗ gerin geweſen, war erſtorben, und ernſt betrach⸗ tete er einige Sekunden lang ihre irdiſchen Ueber⸗ reſte.
Dann that der junge Mann, was die Ver⸗ ſtorbene von ihm verlangt, ſchloß ihre Augen und den Mund, küßte ihre Stirn mit dem Kuß der Dankbarkeit und ſammelte die ihm überwieſenen Papiere.
Er betrachtete beſonders lange das in dem Käſtchen befindliche Portrait der Dame, welcher er ſo viel verdanken ſollte, und je länger er es betrachtete, deſto mehr fühlte er ſich durch dieſe ſchönen, ſanften Züge gefeſſelt.
Endlich aber barg er das Käſtchen und die Papiere in ſein Wams, knöpfte dieſes zu und verließ das Zimmer.
Wenige Minuten waren hinreichend, ihn zur Abreiſe zu rüſten. Nach einem wehmüthigen Blicke auf das einſame Zaus ſchwang ſich Fed⸗
deric in den Sattel, und noch war nicht ganz
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