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208 An und auf der See. 3
— Sehr verbunden für die Schmeichelei, mein Herr; Ihre Meinung iſt aber falſch, wenn Sie glauben, ich finde Vergnügen am Erzählen von Mährchen oder laſſe mir gar der⸗ gleichen aufbinden.
— Nun, und wenn die Geſchichte wahr wäre, gnädige Frau?
— Ah, das wäre allerdings etwas Anderes, nicht ſo?— Sie iſt allerdings wahr, mein Schatz!
— Schöͤn, ich ſehe aber nicht ab, wozu—
— Wie naiy!l unterbrach die Baronin ihren Freund, laut auflachend. Wer da ſagt, daß Sie kein unſchuldiger Jüngling ſind, den ſtrafe ich Lügen. Ich glaubte aber immer, jene Beleidi⸗ gung hätte Sie ſo in Harniſch gebracht, daß Sie hoch und theuer ſchwuren, ſich dafür zu rächen.
— Dies wohl, doch es war die erſte Auf— wallung des Zornes; er iſt jetzt verraucht. Und wenn auch nicht, was hätte hier das Eine mit dem Andern zu ſchaffen?
— O, über dieſe Männer! Erſt wollen ſie eine Welt zertrümmern, wenn man ihnen zu nahe tritt, und dann haben ſie nur einen Zorn, der verraucht. Sie halten ſich für das weiſeſte Thier der Schöpfung, und doch kann ihr übermäßiger Verſtand nicht zuſammenreihen, daß Eins und Eins Zwei macht!
— Ich bitte um Entſchuldigung, meine Gnä⸗ digſte, Ihr Scharfſinn iſt allgemein anerkannt, wollen Sie nicht meinen ſchwachen Begriffen ein wenig zu Hülfe kommen?
— Oh, gern, Freundchen. Geſetzt den Fall, Sie hätten Ihre Rache jetzt noch nicht aufge⸗ geben——?!
— Hm, das hinge vielleicht von Umſtän⸗ den ab!
— Setzen wir den Fall, ſage ich nur, ſo würde eine Mittheilung jenes Mährchens an den Baron von B., wie Sie es zu nennen be⸗ lieben, mein Herr, dem Regierungsrathe ſehr angenehme Tage und noch angenehmere Nächte bereiten! Was meinen Sie?
Der Junker ſtutzte und dachte einige Augen⸗ blicke nach.
— Da möchte ich mir doch eine Bemerkung erlauben, gnädige Frau, entgegnete er dann; der Regierungsrath wird mir keinen Glauben ſchenken!
— Aber vielleicht ſonſt Jemand!
— Hm, das iſt möglich.
— Nun, ſo ſenden wir einen Vertrauten ab!
Der Junker ſchüttelte den Kopf, er war im⸗ mer noch nicht von der Wahrheit jenes Gerüch⸗ tes überzeugt.
— Er muß es glauben, mein Herrl ſagte
die Baronin; wir wollen auch für die nöthigen Beweiſe ſorgen. Sie kennen mich in dieſer Hinſicht..
— Das wäre freilich ein ander Ding, ent⸗ gegnete Herr von Thal.
Die Barouin erzählte ihrem Wirthe nun, was ſie erfahren und was ſte nicht erfahren, und nannte verſchiedene Perſonen, welche in das Geheimniß eingeweiht ſein ſollten.
So ſchlau jedoch das ränkeſüchtige Weib auch war, für diesmal riß ihre unbezähmbare Wuth, welche um ſo viel heftiger war, als ſie im Stil— len glimmte, ſie zu ſchnell fort, und der Junker mit ſeinem eingeſchränkten Verſtande beſaß bei Weitem mehr leberlegung.
— Allles ſchön, Alles recht ſchön! platzte er nach einigem Beſinnen heraus. Aber Niemand wird uns Glauben ſchenken, gnädige Frau.
— Warum nicht, mein Herr?
— Weil Jeder weiß, daß wir uns rächen möchten und die ganze Geſchichte zu koloſſal iſt, um nicht zuerſt die Uebertreibung unſeres Haſſes in derſelben zu wittern, oder ſie gar für deſſen Erfindung zu halten.
— So darf ich alſo nicht auf Sie zählen, mein Herr?
— Das habe ich nicht geſagt, aber für jetzt möchte ich allerdings nicht bei dem Unternehmen mitwirken.
Die Baronin erhob ſich von ihrem Sitze und ſchritt heftig im Zimmer umher, während der Junker ſcheinbar gleichgültig vor ſich hinſah.
Endlich hob der Letztere an:
— Frau Baronin, in der Handlungsweiſe Ihrer Stieftochter liegt ein Verbrechen, welches ſtreng geahndet wird. Sie haben Beweiſe in Händen; wir gehen einen ſicheren Weg, wenng wir dieſelbe der geſetzlichen Strafe übergeben.
Die Baronin ſtand aufmerkſam ſtill.
— Wer aber wird den Ankläger abgeben? warf ſie hin.
— Oh, wenn weiter nichts iſt, der iſt ge⸗ funden, Madame. Ich werde die Anzeige machen, ſobald ich mich überzeugt habe, daß dieſelbe nicht auf eine Lächerlichkeit hinauslaufen kann.
— Sie ſind ein goldener Menſch, Herr von Thal! rief die Baronin. Ich möchte Sie küſſen, Mann; während Sie aber jene Schatte thun, werde ich ſorgen, daß Alles gehörige pu⸗ blik wird, Ihre Anzeige erhält dadurch die thige Unterſtützung.—
— Aber, fügte der Junker hinzu, wie) ſchon geſagt, noch iſt es zu früh, warten woir eine günſtigere Zeit ab. 1


