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Wellen anfänglich höher; nach einer Stunde jedoch hatte ſich der Wind völlig gelegt. Die Anſtrengung war zu groß geweſen, als daß nicht Jeder der Ruhe bedurft hätte; Einer nach dem Andern ſuchte die Lagerſtelle auf, und auch der Kapitain konnte ſich kaum des Schlafes er⸗ wehren. Robert trat an das Steuerrad.
Geht's noch mit Dir, mein Junge? ſragte Nordenſtern.
— Ich glaubel! antwortete der junge Mann.
Es ſchien dem Kapitain eine Grauſamkeit, jetzt Jemand befehlen zu wollen, daß er wach bliebe. Herzlich froh, dieſem überhoben zu ſein, blickte er Robert dankbar an und ſagte:
— Gönne mir ein Paar Stunden; ich werde Dich bald ablöſen!
— Gern, gernl ſagte Robert ſelbſtzufrieden.
Der Kapitain reichte ihm die Hand.
— Gute Nacht, lieber Bruder! rief vie kleine Nanny.
Mehr um ſich aufrecht zu erhalten, als das befeſtigte Steuerrad zu ſtellen, ergriff der junge Seemann die Speichen deſſelben und verſuchte die Müdigkeit zu verſcheuchen. Doch Centner⸗ laſt drückte auf ſeine Augenlider; er ſank in die Knie, rutſchte mit denſelben fort und lag bald ausgeſtreckt auf den Planken; der Pudel beleckte ihm das Geſicht. Robert fühlte es und hörte das Winſeln des Thieres, doch bereits halb im Schlafe, war er nicht mehr im Stande, ſich zu erheben; wirre Träume marterten ihn, und von einem derſelben aufgeſchreckt, fuhr er in die Höhe.
— Feuer, Feuerl erſcholl es mit grauſigem Verzweiflungsrufe. Der Roof des Schiffes ſtand bereits ganz in Flammen, und die zün⸗ gelnde Lohe leckte an dem Beſanmaſte hinauf. Es war ein fürchterlicher Anblick.
Die von der Gluth grell beleuchteten See⸗ leute rannten in Todesangſt umher, das Kom⸗ mando des Kapitains verhallte ungehört, und herzbrechendes Jammergeſchrei miſchte ſich in das dumpfe Grollen der Wogen. Die halb⸗ entkleidete Frau des Kapitains rang in wilder Verzweiflung die Hände. Im Nu verbreiteten ſich die Flammen über das ganze Schiff.
Robert war aufgeſprungen, und mit dem Erkennen der Gefahr kehrte auch ſeine Geiſtes⸗ gegenwart zurück.
— Die Böte in Seel rief er mit durch⸗ dringender Stimme.
— Ja wohl die Böte flott! wiederholte der Kapitain.
Die Matroſen ſtüͤrzten nach hinten, um die Jolle vom Heck zu laſſen. Doch durch die Angſt
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ihrer Beſinnung beraubt, wurde das leichte Fahrzeug mit den hineingeſprungenen beiden Männern von den Wellen verſchlungen. Ro⸗ bert gab dem Menſchen, welcher die Schuld hieran trug, einen Stoß, daß er zu Boden fiel.
— Feige Memmen! donnerte er zornig.
— Brav, mein Jungel rief Nordenſtern.
Nach unſäglichen Schwierigkeiten gelang es, die Schaluppe in die See zu bringen, ebenſo das große Boot. Einigen Matroſen brannten die Kleider auf dem Leibe an.
Robert ergriff das Kind und ſchwang ſich mit demſelben über die Reiling.
— Kapitain, helft Eurer Fraul rief er, bereits glücklich unten angelangt.
Ein halbes Dutzend Matroſen wollte ſich ebes eh auterſtürzen.
3 1lleſ donnerte Robert. Erſt die Frau!
ficht ohne Dich! ſagte das Weib, ihren Mann umklammernd. Der Kapitain hob die Frau über Bord; Robert ſtreckte die Arme aus, um ſie in Empfang zu nehmen; vier Matroſen ſprangen faſt zugleich von oben herab in das Boot. Das leichte Fahrzeug wurde durch den Druck von dem Schiffe entfernt.
— Haltet feſt, haltet feſt! rief Robert. Doch es war zu ſpät; der Kapitain behielt das Tuch in ſeinen Händen; die arme Frau ſank lautlos in das Meer. Mit ihr zugleich verſchwand ein Matroſe in den Wellen.
— Mein Weib, mein Weib! jammerte Nor⸗ denſtern.
An Halten war jetzt nicht mehr zu denken; die Seeleute ſprangen über Hals und Kopf von oben herunter in die leichten Fahrzeuge. Ver⸗ gebens rief Robert, umſonſt mahnte der Kapi⸗ tain, Waſſer und Proviant mitzunehmen. Die Taue wurden von den beſinnungsloſen Matro⸗ ſen zerſchnitten, und kaum noch konnte Norden⸗ ſtern in die Schaluppe gelangen. Eine große Welle führte die beiden Böte ſofort weit von dem Schiffe in die rabenſchwarze Nacht hinaus und trennte ſie zugleich von einander.
Wie ein unheimliches, rieſiges Geſpenſt leuchtete das brennende Schiff durch die Fin⸗ ſterniß, bis es nach ungefähr einer halben Stunde erloſch.
Wer von der Mannſchaft bei der Schreckens⸗ ſcene umgekommen, oder wie Vielen es gelun⸗ gen war, ſich in das große Boot zu retten, wußte Niemand. In der Schaluppe befand ſich der Kapitain, deſſen Tochter, Robert und drei von den Matroſen, durch deren Unbeſonnenheit und Raſerei Nordenſterns Frau eine Beute der Wellen geworden war; außerdem noch der Pudel.
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