Jahrgang 
1 (1851)
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lebe die Republik! Mag ſie keine ſolche Schur⸗ ken in ihrem Schooße aufziehen, wie ſie die Tyrannei beherbergt hat! Ja, das Land Neapel iſt frei und jubelt, fügte er ſeufzend hinzu, die Tyrannen ſind geflohen und ihre Knechte, aber ſie haben uns Beiden das Liebſte mitgenommen, was wir beſaßen, unſere Geliebten!

Ein allgemeiner Ruf aufrichtiger Theilnahme entfuhr dem Munde der Umſtehenden.

Colletta und Antonio erzählten ihnen ab⸗ wechſelnd, von welchem Unglück ſie betroffen worden. Abſcheu malte ſich auf den Geſichtern der braven Lazzaroni, dieſer gutmüthigen Leute, die nicht aus angeborner Schlechtigkeit, ſon⸗ dern aus Verblendung und durch die Pfaffen überliſtet, die Partei des Königs ergriffen hatten.

Da ſeht Ihr, ſagte Micchele ernſt zu ſeinen Genoſſen, welche Streiche ſie vollführt haben, die Schurken! Unſereins hat das freilich nie Erfahren! Es iſt recht gut, daß General Championnet uns die Augen mit einigen blauen Bohnen geöffnet hat..

So ſtehen wir denn nun am Hafen, ſchloß Colletta ſeine Rede, aus dem vor weni⸗ gen Stunden vielleicht die Verräther unſer Le⸗ bensglück entführt haben! O, meine Freunde! Gewiß, auch wir jubeln über den Triumph der Freiheit. Aber Ihr werdet auch unſern Schmerz über einen ſo entſetzlichen Verluſt zu ehren wiſſen!

Die naſſen Augen der Umſtehenden blickten ihm treuherzig und zuſtimmend entgegen.

Alſo zwei junge Damen waren es, Bürger Colletta? fragte plötzlich einer der Lazzaroni, ein Schiffer. Zwei funge Damen, ein alter Herr und eine ältliche Frau?

Ja wohl! Habt Ihr ſie vielleicht geſe⸗ hen? rief Antonro, und ſein Herz klopfte bei dem Gedanken, etwas von ſeiner Luigia zu er⸗ fahren.

Nein, geſehen hab' ich ſie nicht, antwor⸗ tete der Lazzarone. Aber heut morgen, ich putzte gerade mein Gewehr, trat ein Pater zu mir, ich hab' ihn ſchon öfter, namentlich in den letz⸗ ten Tagen, geſehen, er ſtachelte uns zum Wi⸗ derſtand gegen den General Championnet auf, und verſprach uns den Segen der Madonna

und die Belohnung des Königs, wenn wir ta⸗ pfer kämpfen würden

Klein und dick, mit rothem Geſicht und ſchwarzen ſtechenden Augen? riefen Colletta und Antonio zugleich.

Ganz richtig! fuhr der Lazzarone fort. Derſelbe! Er fragte mich, ob ich ihm wohl eine Barke für ſechs Perſonen beſorgen könne, für ihn, einen andern jungen und einen ältlichen Herrn und drei Frauen. Er fürchte, daß die Franzoſen morden und plündern würden, und wolle die Familie ſeines Freundes ſo ſagte er, nach Caſtellamare in Sicherheit bringen.

Das iſt etwas weit, ſagte ich, und ich weiß nicht einmal ganz genau, ob die Franzoſen nicht ſchon in Caſtellamare ſind.

Nein, antwortete er, noch ſind ſie nicht da. Uebrigens werde ich Dich gut bezahlen.

Nun, ſagt' ich, meinetwegen. Ich ſelber kann Euch nicht hinrudern, denn, Ihr ſeht, ich putze meine Flinte zum Gefecht. Aber da ſind meine beiden ſtämmigen Burſchen, die werden Euch ſicher ans Ziel bringen.

Gut, antwortete er, die Burſchen ſollen uns da unten erwarten, und damit zeigte er nach dem großen Stein hin, an dem die Barken an⸗ legen, und ging. Weiter weiß ich nun nichts. Meine Frau aber ſagte mir, daß die Burſchen vor zwei bis drei Stunden abgerudert ſeien.

Es war in der Zeit geweſen, als Colletta Federigo bemerkt hatte.

So hatten denn die Freunde eine leiſe Spur über das Schickſal ihrer Geliebten, aber eine Spur, die aller Wahrſcheinlichkeit nach zu kei⸗ nem Reſultat führen konnte.

Nach Caſtellamare können ſie unmöglich geſegelt ſein, meinte Colletta. Gewiß ſind die Franzoſen ſchon dort und ohnehin ſind die Ein⸗ wohner gut republikaniſch. Ich fürchte, die Verräther haben einen anderen Weg einge⸗ ſchlagen!

Aber, was Trufel! rief plötzlich der Schiffer, da ſind ja meine Jungen ſchon wie⸗ der! Die können doch unmöglich ſchon von Ca⸗ ſtellamare zurück ſein!

Er eilte nach dem Strande, wo das Boot ſo eben anlangte. Die ganze Gruppe folgte,

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