Jahrgang 
1 (1851)
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FAIA

Spiegelbilder aus der Vergangenheit aller Völker.

Original⸗Novellen treu nach authentiſchen Geſchichtswerken.

Gedruckt, verlegt und herausgegeben von Albert Sacco in Berlin, Georgenſtraße Nr. 25.

Dies Werk erſcheint in monatlichen Lieferungen von drei Doppelbogen in Berlin für (4 Sgr., außerhalb des Porto's wegen für 5 Sgr. Alle drei Monate wird ein Kunſt⸗ vlatt gegen Vergütigung von 2 Sgr. 6 Pf. beigegeben. Sämmtliche Buchhandlungen

Band 1.

1. Heft.

nehmen Beſtellungen darauf an.

Luigia Sanfelice. Hiſtoriſche Novelle aus den Zeiten der Republik Neapel. Von Juſtus Severin.

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Es war ein ſchöner Herbſtmorgen des Jah⸗ res 1794. Die Sonne lachte aus der dunklen Bläue des Himmels herab auf die wundervollen Paläſte Neapels; der friſche Seewind ſtrich küh⸗ lend durch die prächtigen Straßen der ſchönſten Stadt Europa's. Eine ungewöhnliche Menſchen⸗ menge durchwogte die Stadt, namentlich war die große Toledoſtraße, die Zierde von Neapel, dicht gefüllt mit Leuten aller Stände, und jeden Augenblick ergoſſen ſich neue Menſchenſtröme aus den Nebenſtraßen in dieſe Hauptader der ſüd⸗ lichen Wunderſtadt. Wem es gelang, die dichte Menge zu durchdringen, der ſuchte den großen Platz zu gewinnen, welcher den Ausgangspunkt des Toledo bildet. Aber nur Wenige erreichten den Largo die Caſtello, wie der Platz genannt wird; denn am Ausgange der Toledoſtraße ſtan⸗ den die königlichen Kanoniere mit brennenden Lunten neben ihren Geſchützen und wehrten den Durchgang, weil der Platz ohnehin ſchon ſo über⸗

füllt war, daß den Kanonieren kaum Raum blieb,

neben ihren Geſchützen auf⸗ und abzuſchreiten. Wohl hunderttauſend Menſchen mochten auf

dem Largo die Caſtello und in der Toledoſtraße

verſammelt ſein. Aber die Menſchenmenge war

zu keinem Feſte zuſammengeſtrömt, das ſah man

auf den erſten Blick. Die Lazzaroni zwar lärm⸗

ten, tobten und ſchwatzten wie gewöhnlich, denn Fata morg. Bd. 1. Hſt. 1.

für dieſe Bettler und Diebe von Proofeſſion iſt jede Gelegenheit, durch welche eine Menge von Leuten zuſammengeführt wird, ein Feſt, weil ſie in dem Gedränge zu ſtehlen oder Anlaß zu Raufereien zu finden hoffen. Aber die Bürger von Neapel und die Leute, denen man es an⸗ ſah, daß ſie zu den höheren Ständen gehörten, ſtanden einſam und ruhig, mit ernſten Mienen da, und wagten kaum, einander ein Wort zuzu⸗ flüſtern. Zuweilen ſchwiegen ſie plötzlich ſtill, wenn eine Perſon von verdächtigem Aeußern in ihre Nähe kam, die ſie entweder als Spion kannten, oder deren Geſichtszüge den Stempel eines Verräthers trugen.

Auf dem großen Largo di Caſtello, dicht neben der Mündung der Toledoſtraße, ſtand inmitten des dichten Menſchengewühles auf dem erhöhten Vorbau eines Palaſtes eine Gruppe von fünf jugendlichen Perſonen, die man auf den erſten Blick für Kinder wohlhabender Fa⸗ milien erkennen mußte. Es waren drei Jüng⸗ linge und zwei Mädchen, ächt neapolitaniſche

Geſtalten. Die Jünglinge waren ungefähr von von den Jungfrauen war die

gleichem Alter, eine faſt noch ein Kind zu nennen, während die andere vielleicht ſiebzehn oder achtzehn Jahre zählen mochte.

Alle Fünf ſtanden ſchweigend da; die Jung⸗ linge hatten ſich an die Pfeiler des Palaſtes gelehnt, während die jüngere von den beiden Neapolitanerinnen ſich unruhig und erwartungs⸗ voll an die ältere anſchmiegte.

Aber Eleonora, mit dieſen Worten brach

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