Gedichte
von Heinrich H pffmaun., 8. Geheftet. 26 ¾i Sgr. .1. 30 kr.
Hoffmann hat vor kurzem die deutſche Jugend in eine Auf⸗ regung verſetzt, wie ſie ſeit den mittelalterlichen Tagen der Kinder⸗ kreuzzüge nicht wieder vorkam. Die Religion, für die er focht, war der Humor; die Türken, die er aufs Haupt ſchlug, waren die unartigen Kinder; die Kreuzfahne, die er vortrug, war der Struwwelpeter, der allbekannte, in Kinderſtuben und Studirzimmern gleich gern geſehene, am Waſſerbrunnen und in kritiſchen Blättern gleich viel beſprochene Struwwelpeter.
Wer den Verfaſſer perſönlich kennt, iſt gewiß auch ein Ver⸗ ehrer ſeines Humor's und Witzes, zwei Eigenſchaften, denen er in der Poeſie neben ſo vielen gewichtigen und claſſiſchen Namen ſeine Geltung verdankt, und die wir im Gebiet der Dichtkunſt um ſo freudiger begrüßen, als ſie nie durch eine jeweilige Richtung der Zeit, ſondern immer nur durch das leichtblütige Naturell des Dichters bedingt werden.
. Gedichte von Victor Hugo.
Ueberſetzt von F. Freiligrath. gr. 8. Geheftet. Rthlr. 1. 10 Sgr. fl. 2. 20 kr.
Freiligrath, deſſen Ruhm als Ueberſetzer beinahe eben ſo groß iſt, als ſein Dichter⸗-Namen, nennt dieſe neue Separataus⸗ gabe der Gedichte Vietor Hugo'’s eine Palingeneſie. O wie manche Ueberſetzung wartet, obgleich ſie's nöthiger hätte als die Freiligrath'ſche, vergeblich auf ihre Palingeneſie? Daß dieſe „wiedergeborne“ Ueberſetzung ſich ganz wie ein Original leſe, und alſo als eingebürgert in unſere Sprache zu betrachten ſei, wird ſchwerlich widerſprochen werden und es geht daraus hervor, zu welch neuen Hoffnungen in Deutſchland eine dermaßen gereinigte Lecture franzöſiſcher Claſſiker berechtigt.


