Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
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Gedichte von Milhelm Smets. Neue Sammlung. 8. Geh. Rthlr. 1. fl. 1. 48 kr.

Dieſelben ſchließen ſich an die Cotta'ſche Ausgabe an, und ent⸗ halten nur Neues. Smets iſt einer der wenigen Dichter, die nicht bloß ſingen, ſo lange ſie jung ſind. Für eine moderne Nachtigall, die in dem raſchen Zorne einer Jünglingsphaſe alle privaten und öffentlichen Antipathien in Fremdwörterreimen aus⸗ ſpeit, iſt unſer 51 jähriger Stiftherr zu alt. Wie er, deſſen geſam⸗ melte Gedichte ja kaum bei Cotta erſchienen ſind, ſchon wieder 15 Bo⸗ gen neue Poeſien fertig hat, das dürfte allen Denen befremdlich ſcheinen, die gewohnt ſind, die Gunſt der Muſen an die Iugend zu knüpfen, und die ſich für Dichter halten, weil ſie auch einmal im achtzehnten Jahre Liebe auf Triebe reimten. Das Alter muß doch wohl ein Prüfſtein des Dichterberufes ſein. Avoll iſt kein unbe⸗ ſtändiger Flattervogel, und wen er einmal liebgewonnen hat, den ver⸗ läßt er nicht mehr, ſollte er auch wie Goethe ein Greis und ein Miniſter werden. So haben wir von deur 15 jährigen Knaben Smets ſchon ein Diſtichon, das ſich auf Klopſtock und die Meſſiade bezieht:

Heilig war Dein Geſang, und beilig, den Du beſungen: Heilig auch nenn' ich den Preis, den Du Dir rübmlich erſangſt.

So blieb er auch als Staatszögling unter dem regime des fran⸗ zöſiſchen Kaiſerreichs ein Dichter, obgleich der Schuldirector ihm ſeine Claſſiker(Klopſtock, Hölty, Kleiſt, Schiller, Bürger und Gleim) con⸗ fiscirte, weil ſie gegen Corneille, Racine, Boileau nur Bänkelſänger ſeien. Später als ihn alle Schickſale betrafen, denen die bürger⸗ liche Stellung eines durch ſeine Geburt unbevorzugten Menſchen unterworfen iſt, als er in Folge deſſen unruhig aller Herren Län⸗ der durchzog, aus einem Stande in den andern überging, theils ein⸗ gewurzelten Neigungen, theils dem Zwang äußerer Einflüſſe Folge leiſtend, fiel er doch nie jener Zerriſſenheit anheim, die in unſerer Lyrik ein Modeartikel ward, und er ſchrieb als Maler, Studioſus, Hauslehrer, Soldat, Geſellſchafter, Schauſpieler, Profeſſor und katholiſcher Geiſtlicher überall mit demſelben tiefen innigen Gefühle, dem nämlichen Adel der Geſinnung, der lebendigen, ſchöpferiſchen Phantaſie, und jener Herrſchaft über Form und Sprache, die Aumuth und Wohlklang an ihren Siegeswagen kettet.