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ſah, daß ſelbſt ihr Oheim ſchlief und ſie mit Raoul ganz allein ließ. Ein Mal überkam ſie das Gefühl ihrer Ver⸗ einſamung und ſie war im Begriffe, einige Schläfer zu
wecken. Sie näherte ſich der Stelle, wo der Arzt lag,
und ihre Hand war gehoben, um ihn zu wecken, als ein Lichtſtrahl von der Seite über Raoub's blaſſes Antlitz flog und ſie gewahren ließ, daß ſeine Augen noch geöffnet waren. Sie trat näher, beugte ſich über den Körper, blickte lange und forſchend in dieſe Spiegel der Seele, welche ſo oft ihren männlich-zärtlichen Strahl auf ſie geworfen, und ihr Gefühl glich dem des Geizhalſes, der ſeine reichen Schätze nicht mit andern theilen will.
Die ganze, ganze Nacht wachte Ghita bei der Leiche
ihres Inniggeliebten; bald beugte ſie ſich über ihn mit
einer Zärtlichkeit, welche kein Wechſel der Dinge unter⸗ graben konnte, bald lag ſie dem Himmel mit ihren Ge⸗ beten an. Niemand erwachte, um das ſeltene Glück, das ſie in dieſem frommen Amte fühlte, zu ſtören, oder ihr Gefühl durch Staunen oder gemeinen Hohn zu ver⸗ wunden.
Bevor der Tag kam, ſchloß ſie Raoul's Augen mit eigener Hand, bedeckte die Leiche mit einer franzöſiſchen Flagge, die auf dem Felſen lag und ſetzte ſich in ruhiger Ergebenheit hin, des Augenblickes gewärtig, wo Andere ſich bereit zeigen würden, ihr bei der Erfüllung der letzten Pflichten gegen den Hingeſchiedenen behülflich zu ſein. Als Katholikin fand ſie einen frommen Troſt in jenem
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