— 10—
habe,“ antwortete das Mädchen gedankenvoll, nachdem Raoul wieder zu rudern angefangen hatte.—„Es iſt in jeder Hinſicht beſſer, wenn wir uns trennen. Ich kann meiner Heimath nicht entſagen, und Ihr werdet Euch nie von jener ruhmwürdigen Republik trennen wollen, auf welche Ihr ſo ſtolz ſeid. Ich bin Italienerin und Ihr ſeid Franzoſe, und was mehr als alles iſt, ich ver⸗ ehre meinen Gott, während Ihr den neuen Anſichten Eurer Nation anhängt. Dies ſind gewiß Gründe genug zur Trennung, ſo freundlich und günſtig wir auch viel⸗ leicht im Allgemeinen von einander denken.“
„Man ſpreche mir nicht mehr von dem Herzen der Italienerin und von ihrer Bereitwilligkeit, mit dem Manne ihrer Wahl bis an das Ende der Welt zu fliehen!“ rief Raoul bitter.—„Ich will tauſend Mädchen in Languedoe finden, welche eher jährlich die Reiſe um die Welt machen, als ſie ſich einen Tag von dem Seemanne trennen, welchen ſie ſich zum Gatten gewählt.“
„Dann ſeht Euch unter den Schönen von Langue⸗ doc nach einem Weibe um,“ antwortete Ghita mit einem ſchwermüthigen Lächeln, das ihre Worte der Unwahrheit zieh.—„Ihr nehmt Euch beſſer eine Gattin aus Eurer Heimath und von Euern Anſichten, als daß Ihr Euer Glück mit einer Fremden auf das Spiel ſetzt, die viel⸗ leicht allen Euern Erwartungen nicht entſpricht, wenn Ihr ſie näher kennen lernt.“
„Wir wollen jetzt nicht weiter davon ſprechen, liebſte


