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wenig Mühe. Ich nahm mir geſtern vor, Euch eine an⸗ genehme Ueberraſchung zu bereiten. Ich glaubte, wir wür⸗ den Godmaert noch beſſer antreffen... Nun denn, ich kam mit meinen Kameraden zum Steen.„Wer iſt da?⸗ rief ein Schütze, der mit vielen andern vor der Thüre ſtand. Wolfangh,“ antwortete ich mit donnernder Stimme und ehe ich mich dem Steen näherte, waren ſie alle über die Palingbrug den Viſchberg hinabgelaufen. Der Steen⸗ warter wollte nicht öffnen, doch als er die Pforte unter den Schlägen unſeres Hammers und unter der Gewalt unſerer Hebebäume wanken ſah, ließ er uns ſchnell ein und bat um ſein Leben. Wir gingen dann von ihm beglei⸗ tet in die Mörderhöhle, wo wir Godmaert liegen fanden. Wir luden den edeln Gefangenen auf, nahmen des Steenwärters Bett als Tragbahre und haben ihn auf ſeine Bitte hieher gebracht.
Wolfangh wandte ſich an Ludwig und fragte ihn leiſe:
Wie heißt der Prieſter, Junker, der bei Godmaert war?“
„Pater Franziskus aus dem Predigerkloſter.“
Der Räuber brachte den Finger an die Stirne, als ob er ſich den Namen deſſelben einprägen wollte.
„O wüßte die Tochter Godmaerts, daß ihr Vater aus dem Gefängniß befreit iſt, welche Freude hätte ſie!“ ſeufzte Ludwig.
„Pater Franziskus hat dieſe Botſchaft übernommen,“ antwortete Wolfangh.—„Männer!“ fuhr er fort, ſich zu ſeinen Kameraden wendend,„jeder gehe nach ſeinem Lagerplatz. Morgen um acht Uhr!— Ihr allein bleibt hier,“ ſprach er zu den vieren, die das Bett getragen atten.
1 Die Räuber räumten den Saal; und nachdem die
Geuſen Godmaert ihre Theilnahme und Freude bezeugt
hatten, wurde gefragt, ob man beginnen ſolle. Die Stühle
wurden herein gebracht und ſo geſtellt, daß alle ſich um
den Greis herum ſetzen konnten. Dieſer durch die Ruhe Das Wunderjahr 1566. 8


