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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
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Der Prieſter ließ Godmaerts Hand niederſinken und hob die Arme in die Höhe:„Ihr verflucht den Nächſten, vermaledeit den Unſchuldigen.“

„Unſchuldigen,“ rief Godmaert,„iſt Valdés auch et⸗ wa unſchuldig? Sind die etwa unſchuldig, die uns den Namen der Niederländer als Schimpfwort in's Antlitz werfen?“

„Nein, ſie thun Unrecht, Godmaert. Aber gibt es nicht auch unter den Belgiern Schuldige. Und wegen Einiger flucht Ihr Allen! O ich dachte nicht, Euer Herz ſo verdorben zu finden.“

„Auf dieſem Bette, am Schluſſe meiues Lebens, bleibe ich dem Spruche meiner Vorfahren getreu. Immer be⸗ kämpften ſie fremde Beherrſcher und riefen, wie ich rufe:

„Alles, Alles für das Vaterland!“

„Ihr habt den Spruch Euerer Vorväter vergeſſen, Godmaert. Sie riefen: Alles für Gott und Vaterland.“

„Gott, welch ſchreckliche Schmerzen!“ ſtammelte er. „Mein Herz iſt gebrochen.... Franziskus, mein guter Vater... hal es iſt gethan... ich fühle mich neu aufleben.... der Schmerz iſt vorüber!“

„Um Gottes willen!“ rief der Prieſter mit bittender Stimme,„ſchwört Euere Rachſucht ab.“

„Meine Stunde iſt noch nicht gekommen, Vater. Ich fühle, mein Haß gegen die Feinde meines Vater⸗ landes iſt ewig und unveränderlich.“

„Wie, Godmaert, mein Wort vermag nichts über Euch.— Wollt Ihr mich zu Ende hören? Ich werde die Thatſachen ſprechen laſſen. Unterſuchen wir zuſam⸗ men die Gründe Eures ungerechten Haſſes. Horcht auf meine Stimme. Erinnert Euch des großen, des traurigen Tages, an welchem Kaiſer Karl, Euer Wohlthäter und des Vaterlandes Ruhm, der Krone entſagte. Es war zu Brüſſel. Ihr waret dort und habt mit mir aus ſeinem Munde dieſe Worte gehört: Meine Niederländer, der Friede wohne unter Euch. Seid einig und gehorchet dem

Das Wunderjahr 1566. 7