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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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für des Verſtorbenen Seele. Der Junker ſtieg vom Pferde und kniete bei dem Kreuze nieder. Er betete aber nicht lange denn der Name ſeiner Geliebten auf einem blutigen Kreuze ſtieß ihm durch das Herz.

So lag er einige Augenblicke, als er, ſich nach ſei⸗ nem Pſerde umſehend, zwei ſchreckliche Menſchengeſichter zwiſchen den Blättern der Bäume durchblicken ſah. Vier ſchwarze glaſige Augen waren auf ihn gerichtet,— und die Oeffnungen von zwei Gewehren zielten nach der Bruſt.

„Geld oder Leben!“ ſchrieen die beiden Männer, aus dem Buſche kommend,— bereit, das eine oder das andere ihm zu nehmen.

„Hier habt Ihr meine Börſe,“ ſprach Ludwig, etwas erſchreckt. Männer,“ fuhr er fort,„ich ſuche Wolfangh und bitte Euch, mir ſeine Wohnung zu zeigen.“

„Die Waffen nieder!“ rief einer der Räuber.

Der Junker nahm ſeine Piſtolen und warf dieſelbe mit ſeinem Degen weit von ſich. Der Räuber näherte ſich ihm.

„Was habt Ihr mit Wolfangh zu thun?“ fragte er.

„Ich habe ihm einen Brief zu geben,“ war die Antwort.

„Kommt Ihr von der Stadt, und ſeid Ihr ein Geuſe?“ fragte der Räuber nochmals.

„Das bin ich, und muß Wolfſangh noch vor Abend ſprechen!“

Der Räuber lachte.„Das weiß ich,“ erwiederte er. „Mein Hauptmann war heute in der Stadt, und hat Euer Kommen von einem andern Geuſen vernommen.— Seit zwei Stunden erwartet er einen Junker, und wenn Ihr der ſeid, könnt Ihr Eure Waffen wieder nehmen und uns ohne Furcht folgen.“

Der Landmann, der dem allem mit Angſt zugehört hatte, raffte die Waffen Ludwigs vom Boden und reichte ſie dem Jünglinge.

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