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„In unſerer Liebfrauenkirche hängt eines meiner Bil⸗ der; an dieſem habe ich zwölf Monden gearbeitet; zwölf Monden fern von der Welt ganz meiner Kunſt gelebt: mein Leben durch Sorgen um zehn Jahre verkürzt und habe wie ein griechiſcher Künſtler vor dem Werke meiner Hand gekniet und gebetet!“ Ein ſchwerer Seufzer unter⸗ brach ſeine Stimme.„Auch,“ fuhr er fort,„bin ich um dieſes Stück allein in Sorge, und ich habe gebeten, es in Sicherheit zu bringen; doch ſie wollen es nicht thun— und ſagen, ich hätte es ihnen verkauft.— Verkauft!“ ſeufzte er,„ja, ich habe es verkauft. Die Noth drückte mich;— ſonſt wäre mein leidender Chriſtus nie aus mei⸗ nem Zimmer gekommen.“
Schuermans und Ludwig verſicherten ihn, daß, wenn ſie etwas zur Rettung des Bildes thun könnten, ſie nicht verſäumen würden, ihm hierin zu helfen.
„Ich habe Kraft und Muth genug,“ antwortete Van Hort,„um mein Bild zu ſchützen. Ich habe Alles be⸗ rechnet. An dem Tage der Verwüſtung werde ich mit Gewehr und Dolch meinen Chriſtus vertheidigen— und wenn derſelbe von der Mauer fällt, ſprizt mein Blut zu⸗ gleich den gottloſen Stürmern ins Geſicht!— Nein, ich will meine Schopfung nicht überleben!“
„Ach Herr!“ fiel der Wirth ihm in die Rede,„was thut's, wenn ſie mal alle zuſammenſchlagen? Das Sprich⸗ wort ſagt ja: So lang noch ein Haus in Antwerpen ſteht, auch noch ein Künſtler in ſeinen Straßen geht.“
„Wer ſpricht mit Euch?“ fuhr Van Hort den Wirth an,„was verſteht Ihr davon? Eben noch betrauertet Ihr mit mir die Kunſtſchätze der Stadt, und nun find ſie nichts mehr, weil die Geuſen in Euer Haus zum Trinken kommen.— Ihr kennt nur einen Gott, den des Geldes; nur eine Kunſt, die Kunſt, Geld zu gewinnen, Unwür⸗ diger!“
Er nahm ſeinen Hut vom Tiſch, grüßte die Geuſen und verließ das Haus.
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