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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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wird binnen wenigen Tagen, vielleicht noch ehe die Woche zu Ende, losbrechen. Glaubt mir, keine menſchliche Macht kann es verhindern. Allles iſt bereit: auf den erſten Be⸗ fehl von Brüſſel ſteht das ganze Land gegen die Spanier auf. Auch ich ſehe die Gewaltthätigkeiten der Ketzer voraus, Eure Worte machten mich ſchauern aber glaubt Ihr, Pater Franziskus, daß es beſſer, wenn ich, das Haupt der Antwerpener Edeln, nicht dabei wäre. Kann ich die Religion meiner Väter nicht beſſer beſchirmen durch meine Befehle, als durch meine Abweſenheit?

Aus den Augen des Prieſters rollten Thränen; er ſah Godmaert feſten Blickes und ſtumm an. Endlich rief er, die Augen zum Himmel erhebend:

Binnen wenig Tagen? O Herr, wirſt Du Deine Kirche ſo bald beſuchen? Soll ich die Entheiligung Dei⸗ ner Altäre ſehen; ſoll ich meine Ohren verſtopfen müſſen, um die Laͤſterungen gegen Deinen heiligen Namen nicht zu hören?

Und ſich an Godmaert wendend, fuhr er fort:

Mein Geiſt verzweifelt bei dieſem Gedanken. Ich weiß nicht, was ich Euch rathen ſoll, aber ich bitte, ich be⸗ ſchwör' Euch mit gefalteten Händen, Godmaert, bewahret die Tempel, miſcht Euch nicht unter die Ketzer, bekämpft ſie und habet in den Tagen der Gefahr Euren Gott vor Augen, auf daß Ihr keine unvergebliche Sünde begehet.. O Herr, Deine ſtrafende Hand iſt über uns!.

Er verſank wieder in tiefes Nachdenken, aus dem ihn die Antwort Godmaerts wohl aufgeweckt hätte, aber ein junges Edelfräulein kam in das Zimmer; ſobald ihre Augen auf den Prieſter fielen, ſtrahlte ihr Antlitz vor Freude, und von ihren ſchönen Lippen floſſen die Worte:

Hal da iſt Pater Franziskus!

Sie näherte ſich dem Prieſter, nahm ihn ſanft unter dem Arme und wollte ihn aufzuſtehen nöthigen, wahrend ſie ihn anſprach:

Kommt, guter Vater, Herr Ludwig Van Halmale