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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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mit ſchweren eiſernen Gittern verſehen. Dieſe Sicherheits⸗ maßregel war ſehr nöthig, denn die Räuber und Diebe hatten ſich in dieſer Zeit der Wirren und des Mißtrauens wunderbar vermehrt, und die Handhabung des Rechts war ſo eingeſchlafen, daß die Verbrecher beim hellen Tage den Bürgern ihr Geld raubten.

Das Haus, welches eher einem Gefängniß glich, als dem Aufenthalte eines Edelmannes, war die Wohnung Godmaerts.

Dieſer ſaß des Morgens nach ſeiner Gewohnheit im Arbeitszimmer, das Haupt in der Hand, die Staats⸗ angelegenheiten überlegend, als die Thüre des Zimmers langſam aufging und ein Geiſtlicher eintrat. Es war ein Mann von beinahe ſiebenzig Jahren, groß von Geſtalt und noch nicht vom Alter gebeugt; er hielt ſich gerade, obgleich jede ſeiner Bewegung von einem eigenthümlichen Zittern begleitet war. Sobald er die Kapuze zurückgeworfen, konnte man ſein Antlitz nicht ohne ein Gefühl von Ehr⸗ furcht betrachten; ſein Haupt, das wie ein Spiegel das Tageslicht widerſtrahlte, umzog ein Kranz von ſilberweißen Haaren: die Krone, welche die vorübergeeilten Jahre um ſein Haupt geflochten hatten.

Auf ſeinem runzlichen, doch ſchoͤnen Geſichte, glänzte Güte und Liebe zu Gott, während in ſeinen Augen ein tiefer Schmerz zu leſen war.

Bei der Ankunft des Prieſters ſprang Godmaert auf, lief ihm entgegen, drückte ihm beide Hände mit ehrerbie⸗ tiger Liebe, und ſprach:

Pater Franziskus, mein guter Vater, mein Freund, habt Dank, daß Ihr mich zu beſuchen kommt.

Mein Sohn, antwortete der Prieſter,muß ich in dieſen Tagen der Verführung und des Unglaubens Eure Kinder nicht vor Anſteckung bewahren? Sie ſind bis heute ſo gottesfürchtig und reinen Gemüthes geblieben; ich würde ſündigen, wenn ich jetzt nicht mit verdoppelter Sorg⸗ falt uber ihnen wachen würde da der Teufel ſich jetzt