Van Halen näherte ſich Ludwig, und ihm die Hand drückend, ſprach er leiſe:
„Ihr ſeid ein braver Junker— ich gebe Euch Recht. — Aber ſagt mir, wenn die Spanier gegen Euere Landesgenoſſen ſtrejten würden, auf welche Seite würdet Ihr Euch ſchlagen?“
Ludwig erröthete über dieſe Frage; er erhob das Haupt mit Stolz und antwortete:„Ich würde mein Blut für meine Bruder vergießen. Aber wenn die Spa⸗ nier kämen, um den fremden Pöpel aus dem Lande zu vertreiben— dann würde ich nicht zoögern, unter ihren Fahnen für den Glauben zu ſtreiten.“
Ein Handruck Van Halens war die Antwort. Glück⸗ licherweiſe hatte Godmaert dieſes Zwiegeſpräch nicht ge⸗ hoͤrt, denn er würde ſich wohl wenig daran erbaut haben.
Alles ſaß nun wieder an ſeinem Platze. Das alte Weib hatte das Blut von der Wand gewaſchen; die Stühle ſtanden am Orte, die Becher waren gefüllt; und Jeder hatte ſich in ſeinen Seſſel geſetzt.
Schuermans wollte trotz der Bitte ſeiner Freunde, im Zimmer bleiben, um, wie er ſagte, mit Ludwig näher bekannt zu werden. So ſchlimm konnte er doch nicht ſein, da auch nicht ein Zeichen von Haß oder Unwille auf ſeinem Antlitz zu leſen war.
„Laßt uns noch eins trinken,“ ſprach Godmaert,„dann gönnt mir einen Augenblick, Euch auseinanderzulegen, weßwegen wir heute gekommen.“
Nachdem er getruͤnken, ſprach er:
„Ihr wißt, welche Schmach und welch ſchreiendes Unrecht die ſpanſche Zwingherrſchaft und ihre Anhänger uns täglich anthun;— wie ſie die Edlen unſeres Landes Bettler nennen, wie fie dieſelben aller Aemter ent⸗ ſetzen, um frei und ungenirt unſere armen Brüder drücken zu können.— Sie werden gewahr, daß wir das Joch nur ungeduldig tragen und daß die Rachſucht in unſerm Herzen zunimmt; ſie fürchten einen Aufſtand, der die
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