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für ſie ſterben. Dieſer edle Charakterzug verſchaffte
ihr(natürlicherweiſe ohne alle Berechnung) viel Theit⸗ nahme, beſonders von höher geſtellten Perſonen. Die Wirkung dieſer edlen Geſinnung wurde noch erhöht durch einen Beigeſchmack von Frömmigkeit, die aller⸗ dings oft abgeſchmackt und ungrammatiſch im Ausdruck, darum aber nur um ſo natürlicher und ungekünſtelter erſchien, beſonders den gebildeten und vornehmen Leuten. Rahel's Standesgenoſſen legten indeſſen weniger Werth darauf, vielleicht weil ſie die gram⸗ matiſchen und anderen Irrthümer, welche ihre Echt⸗ heit bewieſen, nicht bemerkten. In Folge von Rahel Carvie's Bekanntſchaft mit mehreren reichen und vor⸗ nehmen Damen der Nachbarſchaft, hatte ſie Zutritt zu verſchiedenen Küchen, wo ſie außer Speiſereſten auch ebenſo ſchmackhafte Neuigkeiten zu erlangen wußte, welche letztere ſie freigebig vertheilte. So hielt man ſie ſtets als im Beſitz der neueſten, glaubwürdigſten, auf geheimnißvollem Wege erlangten Nachrichten über die Angelegenheiten des Tages. Es braucht nicht noch bemerkt zu werden, daß es kaum eine einfluß⸗ reichere Perſönlichkeit in einer ſo armen Gegend geben konnte, in welcher Klatſch der einzige Luxus war, den ſich die Leute erlauben durften. Rahel genoß das Bewußtſein dieſes Einflußes in vollem Maß, wußte


