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Das Leid der Zeit : eine Geschichte unserer Tage / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
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geben wird. Ich hätte es riechen ſollen, daß man damit umging, mich zu verrathen; aber ich hatte nicht mehr Argwohn, als ein neugebornes Kind. Zu Brüſſel ſuchte ich den ganzen Tag; ich lief Straße auf, Straße ab; ich zeigte den Brief fünfzig Men⸗ ſchen; Niemand hat ſein Lebenlang von der Perſon ſprechen hören, für welche der Brief iſt. Ich kehre nach Antwerpen zurück; ich komme in das Hotel;— und denk einmal, wie erſchrocken und verblüfft ich daſtehe— man ſagte mir, Herr Gumbert ſei am ſel⸗ ben Mittag mit dem engliſchen Dampfboot nach Lon⸗ don abgereiſt!“

„Mit dem Geld von Herrn Daniel?“ unterbrach ihn Katharine verwundert.

„Ja, mit all dem Geld,“ ſeufzte Jodokus ſchmerz⸗ lich,„und mit den Reiſekoffern und mit meiner Wä⸗ ſche und mit dem Bischen Geld, das ich mir ſo ſchwer erſpart habe.“

Barbara hatte nun wieder die Augen zu Jodo⸗ kus erhoben und hörte mit heimlichem Mitleid auf das, was er ſagte.

„Ich glaubte vor Betrübniß zu ſterben,“ fuhr er fort;„ich raufte mir die Haare aus und klagte Gott meine Dummheit; aber meine Thränen halfen zu

Nichts. Mit genauer Noth wollte man mich in dem

Hotel aus Barmherzigkeit noch eine Nacht beherber⸗ gen. Des andern Tags lief ich in der Stadt her⸗ um, gleich einem Wahnſinnigen. Was ſollte ich an⸗ fangen? Ich hatte in Brüſſel ſehr viele Diener ge⸗ ſehen, die gleich mir gekleidet waren, und ich glaubte dort vielleicht einen Platz zu finden. Mit dieſem Gedanken reiſ'te ich Abends wieder nach Brüſſel ab.

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