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Das Leid der Zeit : eine Geschichte unserer Tage / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
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wohl zehn Jahre älter ſein. Sein Anzug war ſorg⸗ fältiger, als der ſeines Freundes, und ſelbſt auffallend geſucht. Wiewohl nicht ohne Spuren männlicher Schönheit, flößte ſein Geſicht eine Empfindung von Widerwillen und Mißtrauen ein. Es lag etwas Hartes, etwas Anmaßendes in ſeinen ſtarkgezeichne⸗ ten Zügen; ſeine dicken, feuchten Lippen ſprachen von Lüſternheit und finnlichen Neigungen; ein über⸗ müthiges Hohnlächeln ſchien mit ſeinem Munde ver⸗ wachſen und aus ſeinen Augen ſchoſſen dann und wann Seitenblicke, die in ihm ein bösartiges Ge⸗ müth, oder wenigſtens eine weitgehende Argliſt ver⸗ muthen ließen.

Während er, ein ſpaniſches Röhrchen drehend und erhobenen Hauptes, pfeifend ſeinen Weg fort⸗ ſetzte, warf er von Zeit zu Zeit das Auge beobach⸗ tend auf ſeinen Begleiter, zuckte dann die Achſeln, oder drückte auf eine andere Weiſe bald ſpöttiſches Mitleid, bald ärgerliche Ungeduld aus. Auch gab es Augenblicke, wo eine Wolke des Nachdenkens ſein

Angeſicht verdüſterte, als ob der Zuſtand des Jüng⸗

lings ihn bekümmerte; aber ein ſolcher Ausdruck mußte unmittelbar einem ſpöttiſchen Lächeln weichen, welches zu beweiſen ſchien, daß er ſeinen Genoſſen als ein ſchwaches und unmächtiges Weſen betrach⸗ tete, deſſen Bekümmerniß und Leiden weder Mitge⸗ fühl noch Schonung verdienten. Endlich näherte er ſich allmälig dem träumenden Jüngling und redete ihn in franzöſiſcher Sprache an: „Ei, Daniel, Sie beginnen mich ſchrecklich zu lang⸗ weilen! Auf ſolche Weiſe werden wir uns alſo hier beluſtigen? Es war wohl der Mühe werth, mich

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