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Mutter Hiob / Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Karl Arenz
Entstehung
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Mutter Hiob.

Wie, zu kurz?

Ja, zu kurz. Es würde beſſer geweſen ſein, wenn Ihr ſie an der Thür der Kirche begonnen und ſo lang gemacht hättet, daß der Reim erſt unter dem Aushängeſchild des Goldnen Adlers zu finden geweſen wäre; man hätte ſie dann im Gehen leſen können.....

Der Küſter wollte auf dieſen Spott antworten und rief ſchon laut, daß die längſten Verſe die beſten wären; doch jetzt kam der Diener der Gilde, von einem Trupp Schützen beglei⸗ tet, trommelnd nach der Herberge und zwang Diejenigen, welche die Jahresinſchrift betrachteten, ſich zu zerſtreuen. Alle folgten dem Trommler und ſeinen Geſellen nach dem Gold⸗ nen Adler. Während nun die beſtimmte Stunde des Preisſchießens herannahte, und immer mehr und mehr Schü⸗ tzen und Zuſchauer zur Herberge ſich begaben, kam von einem andern Ende des Dorfes eine Familie langſam daher ge⸗ ſchritten, um ebenfalls dem Feſte beizuwohnen. Vor der⸗ ſelben ſchritt mit dem Bogen in der linken Hand der Brauermeiſter Hiob, ganz unter ernſten und trüben Ge⸗ danken gebeugt; denn im Gehen ſchaute er in den Sand des Weges und machte mit der rechten Hand kurze verdrießliche Bewegungen. Seine Geſichtszüge waren einigermaßen un⸗ freundlich, ſeine Augen klein und ſeine Lippen dünn; er hatte ganz das Ausſehen eines harten und grämlichen Mannes; aber das Bemerkenswertheſte an ihm war, daß er, obgleich Brauer, ein echter hagerer und dürrer Mann war.

Zwei oder drei Schritte hinter ihm kam Mutter Hiob, ſeine Gattin, eine ſtattliche Frau, welcher das herannahende funfzigſte Jahr die Farbe der Geſundheit noch nicht von den

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