Mutter Hiob.
I.
Wispelbeke iſt ein anmuthiges Dorf. Ich habe es ge⸗ ſehen, im Herbſte, wann die Bäume, rings um ſeine Höfe und Hütten, ſich unter der Laſt der ſich röthenden Früchte neigen, wann das Laub mit bunten Farben und die Luft mit purpurnem Hauche ſich zieren; wann das Laubwerk an⸗ fängt zu fallen und dieſes traurige Vorzeichen des kom⸗ menden Naturſchlafes den Dichter in wehmüthige Träume verſetzt.... Ich habe es geſehen in dem Winter, als ſeine Felder unter dem glänzenden Schneegewande verborgen wa⸗ ren, als die Kinder vor der Schule auf der glatten Eisbahn glitten, als die Luft wiederhallte unter dem Schlage der Dreſchflegel und unter dem Knalle der Jagdgewehre..... Ich habe es gleichfalls geſehen während des lieblichen Len⸗ zes, wo die Nachtigallen die Jugend der Natur beſingen, wo die Bäume und Kräuter ſich ſchmücken mit dem zarteſten Grün, wo in Allem, was lebt, das Gefühl der Zuneigung und Freundſchaft friſch und zart entſteht.....
Nun iſt es Sommer. Die Erde, durch den Schweiß des Menſchen befruchtet, wird bald ſeine Arbeit belohnen. Mutter Hiob. 1


