Druckschrift 
Das eiserne Grab / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

260

ſetzte, war in ihr vorgegangen. Auf ihrem Ange⸗

ſichte erglänzte eine maßloſe Freude: Jemand, der den Himmel ſich vor ihm aufthun ſieht, könnte, dünkt mir, die ewige Glückſeligkeit nicht mit innigerem Entzücken begrüßen.—

Während ich meine Bitte mit noch feurigern

Worten wiederholte, reichte ſie mir die Hand und

ſprach:

es ganz zu glauben. Nun iſt der Zweifel weg von mir. Dank, Dank, Leo! Wenn Gott über mein Leben beſtimmt hat, jetzt kann ich ſterben!“

Plötzlich kam ein ſchreckliches Gefühl uber mich.

Ich ſprang zitternd in die Höhe und beugte mit einem erſtickten Angſtſchrei das Haupt. Eine Thüre

hatte ſich geöffnet; Herr Pavelyn hatte mich geſehen, da ich zu den Füßen ſeiner Tochter kniete! Dieß war es jedoch nicht, was mich ſo tief bewegte; denn

ich hätte meine flehende Haltung gar leicht vor ihm rechtfertigen können; aber in dem Blicke, welchen er auf mich richtete, funkelte ſo viel Bitterkeit und ſo viel unterdrückter, doch finſterer Zorn, daß mir kein Zweifel blieb, er müſſe das ſchreckliche Geheimniß meiner Liebe zu ſeiner Tochter entdeckt haben.

Ohne ein Wort zu ſprechen, zog Herr Pavelyn

an einer Klingel und wartete die Ankunft eines

Dienſtboten ab. Es war ein ängſtlicher Augenblick

eine tödtliche Stille erfüllte den Saal; Roſa hielt

die Augen niedergeſchlagen; ich war mehr todt als

lebendig und mußte mich an dem Kamingeſimſe hal⸗

ten, daß meine wankenden Beine nicht einbrachen. Eine Magd erſchien.

„Ah, ich war deſſen gewiß, und wagte doch nicht,