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Schweſter zu holen. Die armen Frauen! ſie waren ganz nie⸗
dergedrückt, ausgeweint, ermattet und lahm an Körper und Geiſt; mit Mühe konnte ich ein Wort aus ihnen herausbringen und ſelbſt dann war ihre Stimme ſo hoff⸗ nungslos und ſchmerzlich, daß es mir wie ein Meſſer durch die Seele ging.
Wohin unſere Schritte nun richten? Die erſte Aufgabe war, uns ſo weit als möglich von Lüttich zu entfernen. In andern Städten des Bisthums waren die Geſetze gegen die Leproſie nicht ſo ſtreng, weil dort die Peſt noch nicht ſo heftig wüthete, und wenn wir tiefer von der Maas ab und unterhalb Maſtricht gelangen konnten, ſo waren wir gerettet, denn dort kannte man die Leproſie noch nicht, auch gab es daſelbſt noch keine Paſtoralen. Dieß ließ uns den Beſchluß faſſen, an Maſtricht vorüber zu ziehen und dieſe Nacht ſo weit zu gehen, als uns die Füße tragen wollten. Meine Mutter und Schweſter ſagten nichts, ſie folgten uns durch den Schnee wie Schatten ohne Sprache und Gefühl. So zogen wir unaufhaltſam weiter, ohne etwas Anderem, als Wölfen zu begegnen, die uns in ſo großer Anzahl ſehend wieder davon flohen. Nach einem Wege von zwei Stunden antwortete mein Vater beinahe nichts mehr auf meine Fragen und ich bemerkte, daß die Müdig⸗ keit ihn übermannen werde, denn er begann immer ſchwerer und wie erlahmt auf meinen Schultern zu ruhen.
Obwohl ich überzeugt war, daß die übermäßige Be⸗ wegung ſeine Wunden entzündete und ihm ſchreckliche Schmerzen verurſachte, ſo durfte ich doch nicht von einer Unterbrechung der Reiſe ſprechen. Wir waren an einem Orte, der uns nur oberflächlich bekannt war und würden in der Dunkelheit unmöglich einen ſichern Schlupfwinkel gefunden haben, deßhalb unterſtützte ich meinen Vater, ſo daß ich mehr als die Hälfte ſeines Körpers trug und ermuthigte die ſchweigenden Frauen durch Worte der Hoffnung und Liebe.
Wir ſchritten noch eine Zeit lang fort zwiſchen hohen


