Darum ließ ich die Frauen im Geſpräche mit dem Vater zurück und beſtieg eine Anhöhe, um als Schildwache um⸗ her zu ſchauen.
Eine Stunde lang ſtand ich da, ohne etwas zu be⸗ merken; dann ſah ich plötzlich von ferne zwei Männer hinter einem Hügel hervorkommen und den Weg einſchlagen, der ſie unfehlbar zur großen Höhle bringen mußte. Ich bemerkte, daß es keine Feinde waren, denn ſie hatten keine Waffen und ſchienen mir ſehr ſchmutzig gekleidet zu ſein. Deſſen ungeachtet lief ich raſch die Anhöhe hinab und hieß meinen Vater und die Frauen Jedes in ſeine Höhle zu⸗ rückkehren, rollte dann die Steine vor den Eingang und mich nach einer andern Seite hin entfernend, ſtellte ich mich den herbeikommenden Männern in den Weg und bückte mich oft zur Erde als ob ich Kräuter oder Wur⸗ zeln ſuchte. Ich bemerkte, daß die beiden Männer große Eile hatten und ſich beſtändig umwandten, wie Leute, die verfolgt zu ſein glauben. Sobald ſie mich zu Geſicht bekamen, blieben ſie ſtehen und ſchienen ſich zu berathen,
was ſie thun ſollten; auch ſie hatten Angſt vor mir. Als
ſie bald näher auf mich zukamen, bemerkte ich, daß es zwei Leproſen waren. Nachdem ſie mich mit einigem Mißtrauen betrachtet hatten, fragte der Eine:
„Jüngling, haſt Du keine Kriegsknechte oder Todt⸗ ſchläger auf dieſem Wege geſehen?“
„Nein!“ antwortete ich,„was ſollten die hier thun?“
„Kommſt Du denn heute nicht aus der Stadt?“
„Nein, ich wohne in dem nahe gelegenen Dorfe.“
„Sind auch Leproſen in Deinem Dorfe?“
Ja einige.“
„So gehe eilig ihnen zu ſagen, ſie ſollen aus dem Bisthum flüchten. Denn die Paſtoralen werden ſich noch heute über das ganze Land verbreiten und alle Leproſen ermorden.“
„Und wenn ſie ſich in Kellern oder Höhlen verbergen?“
„Das würde ſie wenig helfen. Sind nicht alle
5


