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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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ohne ihre verborgenen Gründe. Du biſt ein wunderbares Kind! Niemand weiß, von wannen Du gekommen, Du kennſt weder Vater, noch Mutter, Du ſprichſt und thuſt nicht, wie wir. Noch ſo jung und ein ſo geheimnißvolles Leben! Ich habe Mitleiden mit Dir, denn ich ſehe wohl: Du leideſt und biſt unglücklich!

Der rührende Ausdruck, mit welchem er die letzten Worte geſprochen, ergriff den jungen Hirten ſehr. Viel⸗ leicht war es ihm ein Bedürfniß, ſein Herz auszuſchütten. Er näherte ſich ſeinem Kameraden, drückte ſeine Hand und ſprach in traurigem Tone:

Albrecht, niemand kennt mich an dieſem Orte. Ge⸗ lobe mir ſtrenge Verſchwiegenheit und Du ſollſt mich kennen lernen; ich werde Dir ſagen, warum der Schmerz meine Bruſt erfüllt. Ich bin von edlem Blute, Al⸗ brecht; Du wirſt es nicht glauben, aber Dein Kamerade, der Schafhirte Bernhard, kann ſich Burggraf von Reedale nennen.

Du biſt von edlem Blute! Burggraf von Reedale! rief der alte Hirte verwundert. Sprich, ich kann ſchweigen.

Bernhard trocknete die Thräne, die in ſeinem Auge glänzte, und ſetzte ſich auf der Haide nieder und als ſein Kamerade das Gleiche gethan, begann er alſo:

Ja ſetze Dich nieder, Albrecht, denn meine Geſchichte iſt lang und traurig; ich bin jung, doch habe ich ſchon viel gelitten.

Höre: Noch iſt es keine zehn Jahre her, vaß ich mit meinem Vater und meiner Mutter ein adlig Schloß in der Nähe von Grimberghe in Brabant bewohnte. Da verbrachte ich meine Tage mit allen Uebungen, die einem Edelknaben geziemen; mein Vater, der ein berühmter Kriegsheld war, lehrte mich den Degen führen und ein wildes Roß bändigen. Ich war noch ſehr jung und doch verwunderten ſich erfahrene Ritter ſchon damals über meine Gewandtheit. Wir waren aber arm und unſre Tafel würde